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24c3 #28: Fazit

(Bloggen vom Chaos Communication Congress)

So, eine Woche ist ins Land gegangen, ich habe meinen niedergerichteten Körper regeneriert und stelle nun noch rasch mit dem gebührenden Ein-Wochen-Abstand ein paar final thoughts zum Congress an:

Viel Aufmerksamkeit und Euphorie wurde diesmal auf das politische Engagement im Umfeld des Congresses gerichtet, bezügl. Privacy & Co.; aber in meiner persönlichen Congress-Auswahl kam davon nur wenig vor. Die Veranstaltung mit annalist, der Frau des aufgrund seiner behördlichen Verfolgung in die Schlagzeilen geratenen Berliner Soziologen Andrej Holm, war gut; ansonsten stach für mich in der Hinsicht nur Daniel Kullas Congress-externe aber Congress-parallele Manöverkritik an den Netzkultur-Privacy-Kampagnen, “Stasi 0.5 beta”, heraus. Ich finde es gut und richtig, gegen die staatliche Überwachungswut aufzustehen und freue mich, dass es CCC und Umfeld gerade gelingt, sich da als gesellschaftlicher Protagonist zu profilieren (man lese diesen erstaunlichen WELT-Artikel (via Netzpolitik), der unterm Eindruck des Congresses über die deutsche Hackerszene schreibt: “Diese neue außerparlamentarische Opposition könnte den Berufspolitikern gefährlich werden”), aber persönlich fand ich andere Sachen auf dem Congress spannender.

Zum Beispiel ein großes Interesse an Geschlechts- und Genderpolitik, das nunmehr mit außerordentlich gut besuchten und höchst kontrovers diskutierten Veranstaltungen wie “Hacking Heteronormativity” oder Cyworgs “Cyborgfeminismus und politischer Hacktivismus” einige sehr prominente spots im Congress-Hauptprogramm besetzte und so ziemlich in den Mittelpunkt des Congresses rückte. (Eine Art Gegenpol bildete der zweistündige Keller-Workshop “Geek Lifestyling”, worin eine OpenBSD-Hackerin männlichen Nerds praktische Tipps zum Männlichkeits-Selbststyling gab, um mehr Erfolg bei den Damen zu haben.)

Auch der Bereich ‘Biohacking’ wurde dieses Jahr überzeugend mit dem Vortrag von Drew Endy eröffnet, der das Thema DNA-Programmierung der Hackergemeinde vor die Füße warf und damit, folgt man Reaktionen und Gesprächen, die ich darüber im Nachhinein nocht mitbekam, höchst interessierten, teils auch erschrockenen Boden traf. Ich fänd’s toll, wenn dieser Bereich künftig noch mehr auf dem Congress behandelt würde, und auch bei “Security Nightmares 2008” wurde ja eine derartige Themensetzung für die Zukunft mit eingefordert. Überhaupt, der Komplex Biotech, Nanotech und 3d-Druckerei, der schon an ein paar Stellen im Congress auffunkelte, dürfte in Zukunft in seiner Relevanz weiter wachsen und mehr Raum fürs Hacking physischer / chemischer Anordnungen schaffen. Ich fände es sehr spannend, wenn das weiter verfolgt würde.

Das Kunst- und Unterhaltungsprogramm wurde von den nach wie vor unglaublichen monochrom (unbedingt auch dieses Chaosradio-Express-Gespräch mit Johannes Grenzfurthner anhören) mit beträchtlichem Diskursanteil gerockt, der Rest lief diesjahr etwas an mir vorbei: Der Rule-34-Contest gefiel mir von der Idee enorm, die Durchführung fand ich dann aber leicht zäh; und ins Hackerjeopardy hab ich’s diesmal ja leider nicht reingeschafft. Auch hat mir “Hacktivity” diesjahr gefehlt.

Es gab einige sehr schöne wissenschaftspornographische Veranstaltungen, allen voran die zur Computersimulation der Formung von Universen. Gerne mehr davon!

Einige interessante Akzente wurden auf Soziales und Community auch jenseits von Gender gesetzt: die Nerdsoziologie-Fragestunde von Rose White, eine Selbstdarstellung der Virencoderszene. Spannend war das Experiment (das meines Erachtens halbwegs gelang und nur leider durch die Kürze der Diskussionszeit etwas abgewürgt wurde), dem Autor eines der umstrittenen Anti-Gewaltspiele-Fernsehbeiträge einen Rede- und Diskussionsplatz gegenüber einem Crowd mit beträchtlichem Gamer-Anteil einzuräumen.

Insgesamt habe ich den Eindruck, dass so einige moralisch sensible Ecken und Kanten der Szene und ihrer Verwandten wie Geschlechtspolitik, Virencoding, Umgang mit Kritik usw. dieses Mal verstärkt in Angriff genommen wurden. Vielleicht nicht immer mit einem alle Welt befriedigenden Ergebnis, aber mit dem Mut und Bedürfnis eben, das jeweilige Issue als Diskussionspunkt aufzumachen. Daniel Kulla hätte da mit seinem “Stasi 0.5 beta” (das Congress-parallel in der c-base stattfand, weil’s fürs Congress-Programm selbst abgelehnt worden war) IMHO gar nicht so schlecht reingepasst.

Der Congress machte auf mich wieder einen verhältnismäßig gut geölten, geradezu unchaotischen und unfreakigeren Eindruck — verglichen mit vor ein paar Jahren (es war mein fünfter). Ein bisschen schade finde ich das schon, so ganz romantisch gedacht; aber realistisch gesehen hat es auch technische Vorteile, die ich eigentlich nicht missen möchte. Damit einher geht, dass aus dem Nischenbiotop eine Institution wird, die stärker mit der Breite der restlichen Gesellschaft interagiert. Die Zeitungen berichten nicht mehr anthropologisch über das Treffen komischer Käuze einmal im Jahr in Berlin, sondern über die Anliegen, die auf diesem Congress verhandelt werden. Die WELT sieht im oben schon genannten Artikel “die Hacker auf einmal mitten in der Gesellschaft”. Man kann das verübeln und sagen: Der Congress passt sich auf die Welt an. Vielleicht heißt es aber auch einfach nur, dass sich die Welt da draußen in ihren Fragen ein bisschen mehr der Welt des Congresses annähert, und deshalb eine Öffnung beidseitigerweise nahe liegt. (Das ist wie das Dilemma mit der Science Fiction: Seit sich ihr die Realität annähert, kann sie sich nur noch als konventioneller Gegenwarts-Roman vermarkten.)

Wie dem auch sei, ich hab wieder einen Haufen hochspannender Vorträge gesehen, hatte viel Spaß, coole Leute getroffen; der Congress hat seine Position als eines meiner Jahres-Lieblings-Events auf jeden Fall solide verteidigt :-)

Einige futur:plom-Interna noch zum Congress-Blogging:

Ich hab dieses Jahr meine gesamten Vortragsprotokolle mit (nein, für die Werbung werde ich nicht bezahlt) einem Nokia n800 Internet Tablet im Verbund mit einem faltbaren Bluetooth-Wireless-Keyboard erledigt. Das n800 ist so groß wie ein Taschenrechner, die faltbare Tastatur im zugeklappten Zustand ungefähr ebenso. Tolles Erlebnis, auf diese Art Kongressblogging zu betreiben. Man hat einfach eine Tastatur auf dem Schoß mit einem kleinen aufgesetzten Display drauf; mehr braucht es nicht. Und mal schnell was im Internet nachschlagen kann ich trotzdem damit (es ist WLAN-fähig; und läuft btw mit einem Linux, das alles kann, was so ein Linux halt kann). Zuweilen hockte ich in der Ecke und brauchte nur die Tastatur auf den Knien zu balancieren. Vorbei die Zeiten, wo ich einen klobigen Laptop ständig auf und zu klappen musste, der 90% seines Stromverbrauchs für Sachen zog, die für meine Congressblogging-Zwecke völlig unnötig waren :-)

Ich ringe mit mir, wie ich künftig mit dem Congress-Blogging verfahren werde. Wahrscheinlich werde ich versuchen, mich ein wenig zurücknehmen (wenn ich das kann, das nehme ich mir nämlich jedes Mal vor ;) ). Mich interessiert immer stärker, was außerhalb der Vorträge passiert, während die Vorträge selbst immer schneller im Nachhinein als Video verfügbar werden (toll, wie das jetzt endlich klappt!). Zugleich gibt es inzwischen bereits eine breite Front exzellenten ausführlichen Congress-Bloggings aus anderen Händen, diesjahr zum Beispiel bei (längst nicht erschöpfende Auswahl) css-petals, dicke-aersche, Markus Raab, Uninformation.org oder Mitternachtshacking, und es tun sich Konzepte auf wie Congress-spezifisches Mitmachblogging (24c3-Journal). Lang lebe das Congress-Blogging! :-)

Monday January 7, 2008

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Kommentare

  1. Franz Patzig / 08. January 2008, 07:48 Uhr

    Ein Vortrag, der nicht ungenannt bleiben soll, war Deiner an der Bar über das n800. Der hat mich sehr überzeugt!

  2. Norbert / 08. January 2008, 10:55 Uhr

    Welche Tastatur verwendest du denn eigentlich? Das Setup klingt interessant:-)

  3. Christian / 08. January 2008, 15:10 Uhr

    @Frank: Oh weh, ich glaube, ich sollte doch langsam von Nokia Geld verlangen ;-)

    @Norbert: Palm Bluetooth Keyboard (nicht zu verwechseln mit dem Universal Wireless Keyboard, auch von Palm, das kann nur Infrarot, nicht Bluetooth), QWERTY. War nicht meine erste Wahl (da fiel mein Interesse mehr auf das Nokia-eigene SU-8W oder das iGo Stowaway), aber die einzige, die noch bis zum Congress lieferbar war. Funktioniert okay, man sollte aber, wenn man es auf den Knien/Oberschenkeln benutzen will, noch irgendeine feste Unterlage hinzu nehmen, sonst knickt’s (aufgrund der Faltbarkeit) in störender Weise jedes Mal in der Mitte ein, sobald man eine der mittleren Tasten trifft. Und der linke Teil der (aufgrund der Tastaturfaltbarkeit in zwei geteilten) Leertaste ist /etwas/ unresponsiv (der rechte läuft gut, muss man sich dran gewöhnen, nur den zu benutzen).

  4. nexuslex / 10. January 2008, 13:17 Uhr

    oh mann, danke. super text für abwesende. whuff

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