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Was auf dem PolitCamp09 machen?

Seit das Internet Mainstream wurde, hat sich die Moderne binnen anderthalb Jahrzehnten in ungeheuerlichem Maße verwandelt und erweitert. Die globale Verschaltung von allem mit allem, die Explosion von Kommmunikation/Austausch, die Entstehung neuer sozialer Intelligenzen, die Eröffnungen von Freiheiten ganzer neuer Größenordnungen — das alles schüttelt die Gesellschaft ordentlich durch, und dabei stehen wir erst ganz am Anfang der Entfaltung dieser Potentiale. Die traditionellen politischen Strukturen, wie sie in den vorhergehenden Jahrhunderten erwachsen sind, kommen kaum nach. Ihnen entgleitet die Kontrolle über Zusammenhänge, die früher nur in Abhängigkeit von ihnen denkbar waren und die sich nun ganz unbeeindruckt von ihnen verselbständigen und reorganisieren. Am Deutlichsten erfahren wir das schon jetzt in der Erosion klassischer Mediensstrukturen: Eine neue Öffentlichkeit entsteht und entzieht der alten die Privilegien und Knappheiten, mit der letztere wirtschaftete. Gejauchze wie Gejammere sind groß. Die alte Politik kann die Eigendynamiken kaum steuern, hinkt nur verknöchert-tattrig reagierend hinterher. An Tagen wie dem heutigen, wo Deutschland den Versuch einer Internetzensurinfrastruktur startet und Schweden junge Leute zu Gefängnis und Millionen-Euro-Strafen verurteilt, weil sie die Freiheiten des Netzes mit größter Respektlosigkeit gegenüber den Flaschenhälsen der Alten an jedermann weitervermitteln, spürt man die begründete Panik vor Kontrollverlust, die das Netz in der Politik auslöst. Aber die neuen Freiheiten sind zu stark, bündeln bereits zu viel an Menschen, Intelligenz, Maschinerie, um vom alten Hausmeister Politik noch nachhaltig unter Kontrolle gebracht werden zu können. Im “big picture” ist die Welle unaufhaltsam und wird alle ertränken, die sie ignorieren oder wegreden wollen. Also warum sich Sorgen machen? Warum sich als optimistischer Futurist überhaupt noch um den Komplex “Politik” scheren?

Weil es nicht nur um das abstrakte Große Ganze geht, sondern um konkrete Menschen, deren Leben noch immer im Hier und Jetzt stattfindet. Weil Unvorbereitetsein im Einzelnen immer noch viel Blut und Leid bedeuten kann. Weil neue Freiheiten so schnell als möglich allen zustehen sollten und nicht nur einer Elite. Weil zu zögerlich besiegte Mächte gerade im Todeskampf nochmal besonders viel Schaden anrichten können. Weil ein Vertrösten auf das Morgen unlauter ist gegenüber denen, die nur das Heute haben. Weil kein Prophet, nicht mal Ray Kurzweil, die Zukunft gepachtet hat.

Und deshalb bündeln trotz all meinem abgehobenen Zukunftsoptimismus so profane Dinge wie die Anti-Internet-Kinderporno-Hysterie meine Aufmerksamkeit. Und deshalb feiere ich trotzdem noch trotz all ihrer angeblichen charakterlichen Pubertät ThePirateBay oder WikiLeaks als große Helden. Und deshalb rege ich mich trotzdem noch auf, wenn meine Regierung unter Zukunfts-orientierter Wirtschaftsförderungspolitik den Bau von mehr Straßen und die Abwrackprämie versteht. Wenn das Internet als zu regulierender Rundfunk behandelt wird und Informationsfreiheit als relatives Gut gegenüber der absoluten Selbstherrlichkeit der Beamten-Bürokratie. Wenn Bildung noch immer als obsolete Kinder-quälende Paukeranstalt manifestiert und Kontrolle durch staatliche Behörden als Bedingung jeden kulturellen und wirtschaftlichen Austauschs verstanden wird. Wenn daran gearbeitet wird, geographische Staatsgrenzen dem Cyberspace aufzuzwängen. Wenn versucht wird, neue Freiheiten durch künstliche Verknappung einzudämmen, um veraltete Geschäftsmodelle zu erhalten. Wenn das Sozialsystem gesellschaftliche Teilhabe nur vergibt gegen die demütige Bereitschaft, sich ans Gestern zu verkaufen.

Am 2./3. Mai gehe ich auf das PolitCamp09, der Versuch eines Politik-BarCamps. Ich überlege, dort eine Session zu machen: Zu erklären versuchen, warum eine Politik gegen das Netz eine falsche ist. Die Freiheiten konsequent durch-zu-artikulieren, die das Netz schafft und deren Förderung statt Behinderung eine Politik als zukunftsfähig identifizieren würde. Was die Netz-verschuldete Auflösung der Flaschenhälse und Gefäße, in die Politik ihren Verwaltungsgegenstand Gesellschaft bisher gegossen hat, konsequent zuende gedacht heißen muss. Wie die unvermeidlichen Erschütterungen bisheriger Normen fürs Wohl der Menschen produktiv gemacht werden sollten, statt sie im Glauben an längst ausgehöhlte vergangene Sicherheiten vergeblich wegzugesetzeln versuchen. Um welche Punkte ein Menschen- und Bürgerrechtekatalog im digitalen Zeitalter erweitert gehört. Solcherlei würde ich bei einer solchen Gelegenheit gerne sammeln und diskutieren.

Gäb’s da Interesse?

Friday April 17, 2009

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Kommentare

  1. Basti Hirsch ッ / 18. April 2009, 06:53 Uhr

    Mit Schmackes formuliert, gefällt mir! Die Session solltest du auf jeden Fall anbieten. Damit kannst du die anwesende Politprominenz sicher aufrütteln und, wer weiß, dich dabei noch als Keynote-Speaker für den nächsten IT-Gipfel empfehlen. Viel Erfolg!

  2. classless / 18. April 2009, 12:17 Uhr

    Für mich macht das nur einen zweitrangigen Unterschied, ob ich mich ans Gestern oder ans Morgen verkaufen muß. Es geht ums große Ganze, weil die konkreten Menschen im Hier und Jetzt darin befangen sind und albernerweise vom Staat und der Regierung verlangen, durch Modernisierung der Herrschaft irgendwas zum Besseren zu verändern.

    [/pffffffffft]

  3. Christian / 21. April 2009, 19:07 Uhr

    @classless: Ja.

    Mit Volk 1.0 lässt sich keine Gesellschaft 2.0 machen.

    Ich halte es da auch für fragwürdig, inwieweit sich Volk 1.0 zu Volk 2.0 ‘erziehen’ lässt, und ich habe auch gar keine Zeit, darauf fünfzig Jahre zu warten. Vielleicht ist es notwendig, vom staatsgeographisch aufoktruierten Flaschenhals “Volk” ganz wegzukommen und sich dafür eine sich über das Netz flexibel immer wieder neu selbst zusammenfindende “Geselligkeit 2.0” als politischen Selbstversorgungs-Souverän zusammen zu würfeln.

    Und will ich überhaupt, dass der Staat 1.0 zum Staat 2.0 wird? Will ich bloß einen Apparat, der das Unkontrollierte besser kontrollieren kann?

    Deshalb sehe ich die Aufgabe auch weniger darin, einen neuen Staat zu erfinden, als einfach den Rückbau des Staates gegenüber neuen Sozialformen möglichst menschenschonend durchzuführen. Die Politik muss den Mut gewinnen, sich selbst zugunsten der neuen Freiheiten zurückzunehmen. Und dieser Mut muss herrühren aus einem menschenfreundlichen Funktionieren dieser neuen Sozialformen. Die Aufgabe der Politik wäre dann vor allem noch, diese neuen Sozialformen der gesamten Gesellschaft zu öffnen und dafür zu sorgen, dass niemand von ihnen auf der Strecke liegen gelassen wird.

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