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24c3 #11: die Lese-Revolution

(Bloggen vom Chaos Communication Congress)

11.30 Uhr: Elektronische Dokumente und die Zukunft des Lesens

Stein, der letztes Jahr mit Flugrobotern erfreute, referiert dieses Jahr ziemlich exakt das angekündigte Thema “Warum es so ewig gedauert hat, bis Bücher auf geeigneten Geräten lesbar wurden, und was uns noch erwartet”. Elektronische Bücher / Lesegeräte, Propheten einer Revolution des Mediums Buch, gibt es zwar schon eine ganze Weile …

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… aber sie haben sich in dieser ganzen Weile nie so recht durchgesetzt, und das aus guten Gründen. Die Usability war einfach immer kacke. Laufen auf rasch leerer Batterie, sind unhandlich, schwer, groß, als Selbstleuchter im Sonnenlicht unlesbar, einfach: in jeder Frage der Handhabbarkeit dem gewohnten Papier unterlegen.

Das ändert sich nun.

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Links im Schatten steht übrigens der Bundestrojaner, im Lichte wäre er in Schwarz-Rot-Gold.

Die neue Generation dieser Geräte verfügt über “bistabile” Displays. Sie sind nicht mehr selbstleuchtend und energiegierig, sondern bestehen aus je nach Seite verschieden gefärbten Kügelchen, die sich einmal zur Oberfläche hin ausrichten und danach keinen weiteren Strom ziehen: elektronisches Papier hoher Auflösung, vom Umgebungslicht beleuchtet, flexibel …

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… biegbar, vom Umgebungslicht beleuchtet. Wie richtiges Papier. Es gibt noch einige Macken, die geklärt werden müssen (Graufarbigkeit, Geschwindigkeit der Neukonfiguration der Kügelchen zur Anzeige eines neuen Bildes, Touchscreen-Fähigkeit (wird demnächst über Drucksensoren gelöst)), aber alles deutet darauf hin, dass derlei Usability-Problemchen schnell binnen der nächsten ein zwei Jahre geklärt werden.[*] (Für die ganz hardcore Haptik-Fetischisten, die ein Buch nur lesen wollen, wenn sie es umblättern wollen, gibt es sogar schon das Modell eines an einer Säulenvorrichtung aufgespannten Zwei-Seiters, “blättert man immer im Kreis”.)

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Steini euphorisiert den Saal mit einer Macbook-Kamera-auf-Beamer-Vorführung einiger mitgebrachter e-Books.

Und was heißt das nun? Well. Die nächste mediale Revolution steht bevor, nachdem Musik- und Filmindustrie schon ordentlich durchgewurschtelt wurden. Das so altehrwürdige Traditionsmedium Buch wird bald gar nicht mehr wieder zu erkennen sein. Gut, das wurde schon vor einiger Zeit prophezeiht, für die alten e-Books, die sich nicht durchsetzen. Aber diese jetzt werden sich durchsetzen, denn sie sind im Gegensatz zu ihren Vorgängern als Buchersatz tatsächlich attraktiv und brauchbar, und inzwischen haben wir auch mehr als genug Text digitalisiert, der als bereits von sich aus vorliegender Geräte-Content taugt. (Ich notiere mir im Geiste: die Medienrevolutionen ereignen sich über breitere Usability, nicht über neue Technologie, analog dem Web 2.0.)

Der Konsum wird sich ändern, die Textbranche wird sich ändern. Buchläden gehen pleite, Print-Zeitungen gehen sowieso pleite (das tun sie ja dank Internet schon jetzt), und auch Buchverlage werden pleite gehen, wenn sie ihre Geschäftsmodelle nicht radikal umbauen. Gut, geht man heute auf die Frankfurter Buchmesse, wird man nach einem Bewusstsein hierfür vergeblich suchen. Genauer gesagt: Man wird ein Abbild der Musikindustrie vorm Napster-Schock vorfinden. Sieht ganz genauso aus. Ein Unternehmen wie Amazon weiß, was seinen Markt erwartet, und bringt deshalb den Kindle-e-Book-Reader raus; der Großteil der deutschen Buchindustrie dagegen wird zu träge sein, um sich rechtzeitig zur Revolution mit aufzuraffen, und bald darnieder liegen.

Und das ist alles eigentlich gar kein Problem für das Medium. Lesen ist wieder in, Wissen ist wieder modern, im und dank Internet-Zeitalter, das “Internet als Motor fürs Lesen”. “Der Geist ist ein Feuer, das entfacht werden will.” Der Umgang mit Dokumenten wird sich dabei verändern. Texte, Bücher werden per WLAN / Bluetooth verbreitet. Die Gebrauchsanweisung für ein Gerät ist in das Gerät integriert und mit dem nächstbesten Lesegerät auslesbar. Texte müssen nicht mehr auf Buchlänge ausgewalzt werden, um für einen Buchverlag attraktiv zu werden, das Sachbuch der Zukunft schrumpft zum Zwanzigseiter. Die Zukunft liegt überhaupt im Selbstverlag und hat einen Markt für bezahlte Blogs. “Tauschen und Kopieren wird einfacher”, da kann sich DRM noch so abstrampeln. Der Fortsetzungsroman wird eine Renaissance erleben, interaktiv und mit neuen Folgen zweimal täglich, eine in der Rush Hour am Morgen, eine in der Rush Hour am Abend; in Japan ist das bereits so, mit Werken fürs Handy. Das Futurisieren endet mit einem Verweis auf die “illustre Fibel für die junge Dame” aus Neal Stephensons The Diamond Age, ich frohlocke.

[*] Daher trotz allem kurzfristiger Consumer-Tipp:

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Friday December 28, 2007

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Kommentare

  1. Florian Krieger / 29. December 2007, 19:55 Uhr

    die Medienrevolutionen ereignen sich über breitere Usability, nicht über neue Technologie

    Amen.
    Eine Antwort für alle Web-1.0-Puristen: “Es ging doch auch alles schon früher” (über zusammengestoppelte Homepages). Jawohl, aber der Grund für die Web 2.0 Erfolgswelle liegt genau in diesem Satz.

  2. FinMike / 30. December 2007, 11:12 Uhr

    @1: Was genau meinst Du denn für eine Erfolgswelle mit Web 2.0? Das ist doch wohl eher ein leerer Hype, der die New Economy noch einmal nachlebt.

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