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Politikmüdigkeit?

Gerade letzterzeit öfters mal in Gespräche mit einer, sagen wir mal, Unzufriedenheit mit dem politischen Engagement der Internetmenschen, jedenfalls hierzulande. Wenn wir so viel über die Gestrigkeit deutscher Politiker reden, warum gehen wir dann nicht z.B. selber in die Parteien? Nun, ein paar Ideen dazu:

Politik 1.0 funktioniert starr hierarchisch, steuert nicht aus Explosion der Vielheit sondern aus stärkend-konzentrierender Einigung auf Eines (und sei es ein Kompromiss), ist nicht wirklich pluralistisch, denn Verschiedenheit geht in der notwendigen Gleichschaltungssynthese der “Repräsentation” auf; da kann man mir noch so viel davon schwärmen, wie ausgiebig und streitsam man in der Partei im Voraus über ein Thema diskutiert, bevor man sich auf die Position X einigt — am Ende steht immer der Flaschenhals der Vereinheitlichung. Als Kind des Web 2.0 empfinde ich solche Strukturen als überholt, denn für mich ist das ständig durch alle überarbeitbare Wiki mächtiger als die Entscheidung zwischen zwei vorgefertigen Entwürfen, erfordert die Dynamik der Welt Vielheit und Flexibilität statt Einheit(=Konsens) und abgesprochene Strategie, geht es nicht um Entweder-Oder oder Kompromissverschmelzung sondern um die Produktivität des ständigen Nebeneinanders und Gegeneinanders. Disziplin und Geschlossenheit sind für mich tot, nur Freiheit und Transparenz erscheinen mir noch zukunftsfähig.

Ich brauche keine Repräsentation, wenn ich für mich selber stehen kann. Die Welt ist mehr und mehr so eingerichtet, dass nur noch das Triebwerk und der Algorithmus, kein zusätzlicher menschlicher Wille neben meinem, als politischer Vermittler benötigt werden.

Die Politik 1.0 erscheint einfach nicht mehr relevant für das eigene Leben. Sie appelliert immer noch größtenteils nationalstaatlich, aber das interessiert mich nicht, wenn mein geistiges Leben im amerikanischen Web stattfindet, mein Geld aus Asien kommt und ich mir das Haus für meinen Lebensabend in Südamerika baue. Wenn, dann würde mich “Politik” auf globaler Ebene interessieren, aber da sehe ich nicht ein, warum ich da eine politische Vertretungsebene Deutschland zwischenschalten sollte, mit der ich mich nicht mehr identifiziere als mit den diversen anderen, nicht geographisch definierten Communities, in die ich eingebunden bin.

Die Beschleunigung der technologischen Entwicklung versetzt die Welt in eine Dynamik, die nicht mehr durch kollektive Einigung auf neue Stabilzustände, sondern nur noch durch konstante Innovation und Schaffung neuer Freiheitsräume durchlebt werden kann. Es gibt keine Knappheiten mehr, deren Mangel durch Zwang verwaltet, sondern nur noch Überfüllen, die allein in Freiheit gelenkt werden können, wenn das Getriebe nicht explodieren soll.

Ich kann mehr an der Welt verbessern, wenn ich am richtigen internationalen Open-Source-Projekt mitwerkele, als wenn ich mich in irgendwelchen regionalen innerparteilichen Kabalen aufreiben lasse.

Wir müssen den Begriff Demokratie von dem des Nationalstaats entkoppeln. Die Community Deutschland (oder jedes andere Land) soll eine Demokratie ihrer Mitglieder sein, aber das sollte die Mitglieder nicht davon abhalten, daneben auch in Demokratien ganz anderer Communities aufzugehen und zu leben. Wie wäre es mit einer Weltdemokratie der endlos einander überschneidenden Communities?

Thursday November 6, 2008

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Kommentare

  1. mspro / 06. November 2008, 20:13 Uhr

    Ha, wunderbar! Genau das hab ich schon so oft geschrieben. Damals, im alten Blog. Zum Beispiel <a href=“http://mymspro.blogspot.com/2005/09/fr-personalisierte-inhalte.html”>hier</a>,<a href=“http://mymspro.blogspot.com/2007/07/tod-den-parteien.html”>hier</a> und vor allem <a href=“http://mymspro.blogspot.com/2007/07/blogosphre.html”>hier</a>. Bei allen politischen Differenzen zwischen uns, wir beide denken Politik radikal poststrukturalistisch. ;)

  2. Daniel / 06. November 2008, 20:41 Uhr

    “Ich brauche keine Repräsentation, wenn ich für mich selber stehen kann.”
    Und, wo ist das der Fall? Solange das kein Plädoyer für die allumfassende Privatisierung ist, sehe ich nicht, wie jeder sein eigenes Sozialsystem aufmacht. Oder seine eigene Armee. Oder seine eigene Polizei.

    “Die Politik 1.0 erscheint einfach nicht mehr relevant für das eigene Leben.”
    Klar, und deswegen muss diese Politik 1.0 auch nicht bei internationalen Finanzkrisen, Menschenrechtsverbrechen in Gegenden ohne Facebook oder beim Klimaschutz agieren. Irgendeine Community wird in einem Wiki schon ein Dokument schreiben, das einen netten Vorschlag macht – an den sich dann halt leider keine Sau hält.

    Ist es nicht genau andersherum: Weil diese langweilige, aufreibende Politik 1.0, bei der man sich halt nicht nur unter Seinesgleichen tummelt, sondern der Vielfalt der Gesellschaft vollkommen ausgeliefert ist, die meisten Dinge irgendwie geregelt kriegt, ohne dass das kleine Privatleben belästigt wird, kann diese Forderungen stellen.

    Gab’s übrigens schonmal, was du vorschlägst, nannte sich im Nachhinein “Kleinstaaterei”.

  3. Torsten / 06. November 2008, 20:41 Uhr

    Darf ich mal kurz aufstöhnen? BULLSHIT.

    Dein Lieblings-Webseiten mögen aus den USA kommen, aber was macht das aus, wenn die Infrastruktur an Deinem Heimatort nicht stimmt? Jürgen Rüttgers ist das beste Beispiel: er hat das Standardwerk über die rechtlichen Aspekte der Abwasserentsorgung in NRW geschrieben und ist heute Ministerpräsident und Hoffnung seiner Partei.

    Wenn die Leute nur da Politik machen, wo es ihnen grade Spaß macht, übernehmen Bürokraten das Ruder. Politik benötigt Durchhaltewillen.

  4. XiongShui / 06. November 2008, 21:12 Uhr

    Eine hübsche Utopie, deren Überführung in die Realität leider daran scheitert, daß die mündigen, erwachsenen, politisch interessierten Menschen, die dazu notwendig sind, allenfalls im Zoo zu bestaunen sind, da sie einer äusserst seltenen Spezies angehören.

    Die Mehrheit der gegenwärtigen Generation hört, um ein Beispiel zu nennen, etwas von Online- Durchsuchung und Daten- Vorratsspeicherung, denkt “mich betrifft das ja nicht, ich habe nichts zu verbergen”, schaltet um zum Gottschalk und schwupps, ist beides Gesetz.

  5. Besim Karadeniz / 06. November 2008, 21:25 Uhr

    Das ist ja alles hübsch geschrieben, geht aber an der Realität vorbei. Sicherlich wäre es lobenswert, wenn man auf globaler Ebene mehr in die Politik hineinreden könnte, so wie Obama diese Illusion hübsch in seinen Wahlkampf eingebaut hat.

    Problem dabei ist jedoch, dass nun mal der mündige Bürger sehr stark die Welt global sieht, obwohl er am meisten auf lokaler Ebene mit ihr Kontakt hat. Im Zweifelsfall kann der Gemeinderat deiner Stadt dir viel mehr Ärger erzeugen, als der US-Präsident, beispielsweise wenn beschlossen wird, dass dein Haus denkmalgeschützt wird oder ähnliche Dinge.

    Ich denke, die Idee von Politik 2.0 (die erst einmal vollständig definiert werden sollte) muss ganz unten beginnen, auf kommunaler Ebene. Das hat zwar keine globale Reichweite, das Mitmachweb ist jedoch schon hier gut zu Hause, wenn man sich die Mühen macht, hier auch tatsächlich eine Interaktion anzustoßen.

    Ansonsten warne ich sehr davor, den US-Wahlkampf einfach mal so als Referenz zu nehmen. Das hat in den USA alles wunderbar schön funktioniert, allerdings ist der Wahlkampfetat von Obama um einiges größer, als der Etat eines Kanzlerkandidaten in Deutschland und hinzukommt, dass die Struktur der klassischen Medien in den USA gänzlich anders aufgebaut ist, als hier.

    Sicherlich alles sehr interessant und man kann sicherlich einiges an Ideen aufnehmen. Der Weg ist jedoch gänzlich anders.

  6. Erik / 06. November 2008, 22:26 Uhr

    Also ich finds toll! Erinnert so’n bisschen an die Politik in Neal Stephensons “Diamond Age”.

    Es müssten nur die entsprechenden Ressourcen zum Aufbau der infrastrukturellen Vorraussetzungen gleichmäßiger verteilt und die Lebensstandarts der Weld auf westliches Niveau angehoben werden.

  7. Jens Best / 07. November 2008, 00:28 Uhr

    Tja, der Artikel bestätigt leider einige Gründe für Kritik des fehlenden politischen Engagements von “Internetmenschen”

    Es zwar immer gut und angebracht mal eine nette Vision aufzubringen, aber im zweiten Schritt folgt die Konfrontation mit dem Ist-Zustand, weil der Weg in die Zukunft nunmal leider über das Jetzt führt.

    Wenn du gerne bei mehr Anlässen deine Entscheidungen und Meinung persönlich, also un-repräsentiert einbringen willst, entstehen auch im Internet peu a peu gute Idee, um dies zu ermöglichen.

    Letztlich geht es bei Politik aber um die Organisation der, wie auch immer großen, Gemeinschaft – du weisst schon, die anderen mit denen man den ganzen Unsinn hier teilt.

    Das Nationale ist sicher in seiner jetzigen Form ein überholtes Modell. Hierzu empfehle ich die Lektüre von Saskia Sassen “Das Paradox des Nationalen”. wenn du nicht viel Zeit hast, lese nur Teil 3 Punkt 7: “Digitale Netzwerke, staatliche Autorität und Politik”

    @Erik “Lebensstandard der Welt auf westliches Niveau” anheben…..ich glaube du hast da was übersehen…denk mal scharf nach

  8. Christian / 07. November 2008, 01:11 Uhr

    Hab mal die Kritik aus den Kommentaren in einem eigenen Eintrag zu beantworten versucht:
    http://futur.plomlompom.de/archiv/2081/politikmuedigkeit-2-einige-antworten-auf-kommentare

    @Torsten: Kannst du deine Kritik nochmal etwas ausführlicher formulieren? Werde so nicht ganz schlau draus, was du meinst mit Rüttgers & so, & warum dann Bürokraten das Ruder übernehmen, wenn jeder sich da politisch betätigt, wo es ihn interessiert :-)

    @Jens Best: Ja, ich will gar nicht die Notwendigkeit einer Organisation in der Gesellschaft derer, die mehr sind als nur ich & meine Freunde, anzweifeln, mir missfällt aber das Regional-Nationale als Maßstab hierfür. Sassen versuch ich mir im Kopf zu notieren, thx für den Hinweis. (Ich muss mal eine “Buchempfehlungen an mich”-Wikiseite aufmachen.)

  9. Torsten / 07. November 2008, 08:09 Uhr

    Christian: Gegenfrage: Wie viele Leute kennst Du, die sich durch ein paar Hundert Seiten Abwasserrecht wälzen – einfach, weil es ihnen Spaß macht? Und wie viele davon arbeiten rein zufällig bei Firmen, die davon profitieren? Ich behaupte mal: zu wenige. Und wer kümmert sich dann um diese unpopulären Bereiche? Bürokraten, Technokraten.

    Anderer Punkt: Betrachten wir ein scheinbar simples und relativ wenig strittiges Projekt wie die CC-Kompatibilität der Wikipedia-Artikel. Die Arbeit der sehr interessierten kollaborativen Kreise dauert inzwischen zweieinhalb Jahre. Effektivität ist etwas anderes.

  10. Torsten / 07. November 2008, 10:05 Uhr

    Err – der Satz über die Firmen gehört an eine andere Stelle…

  11. petra / 07. November 2008, 10:38 Uhr

    Mann, der Text tut echt im Kopf weh, vielleicht mal weniger Wörter neu erfinden und Satzbau 1.0 anwenden. Den Leser wird es freuen!

  12. erik / 07. November 2008, 14:06 Uhr

    @petra: Mit dem, was da in deinem Kopf weh tut, solltest Du dich vielleicht mal näher auseinandersetzen! Ist eventuell was ernstes.

    “Satzbau 1.0” :-)))))))

  13. Kai / 09. November 2008, 00:36 Uhr

    “(…) am Ende steht immer der Flaschenhals der Vereinheitlichung.”

    Ja, Überraschung: Sowas nennt man “Demokratie”.

    Wenn eine große Anzahl von Menschen (sagen wir mal 80 Millionen) sich auf eine bestimmte Politik einigen will, funktionieren 80 Millionen verschiedene Wege eher schlecht. Man muss also einen Kompromiss finden, der mindestens 40.000.001 Menschen überzeugt. Das ist das Wesen der Demokatie, das man eben einen Kompromiss findet und nicht jeder seinen Weg durchsetzen kann.

    Wer mit anderen Menschen zusammen eine Lösung finden will, muss immer Kompromisse eingehen. Alles andere nennt man “Diktatur” – in selbiger kann man in der Tat seine eigene Meinung durchsetzen.

  14. Erik / 09. November 2008, 10:53 Uhr

    @Kai: Dennoch will ich doch meine eigenen Interessen durchsetzen. Ein Kompromiss ist eine Entscheidung, mit der niemand wirklich zufrieden ist! Und in der Welt leben weit mehr als 80 Mio Menschen. Wer sagt denn, dass ich meine Interessen in Deutschland vertreten lassen muss? Wenn in dem Verein meiner Wahl, in dem ich Mitglied bin, Entscheidungen getroffen werden, die mir nicht passen, kann ich ja auch austreten – oder einfach zusätzlich in andere Vereine eintreten. Das Web 2.0 geht doch da nur noch einen Schritt weiter und ermöglicht mir noch außerhalb des Vereins, außerhalb der Nation Mitglied in einer Community zu sein oder – falls gewünscht – mir selbst ohne großen Aufwand eine Community zu schaffen.

    Meinst Du, hier wird irgendwann demokratisch abgestimmt, welche Meinung der Blog plomlompom.de aus dieser Diskussion annimmt und repräsentiert? Wer ist dafür, das Pluto ein Planet ist? – Das ist doch lächerlich! Demokratie erfüllt weder wissenschaftliche Kriterien, noch garantiert sie Gleichheit unter den Wählern.

    Es können tatsächlich alle Meinungen nebeneinander stehen, wie wir im Web 2.0 sehen. Natürlich bekriegen sich Ideologien immer noch. Aber es muss doch niemand mehr auf Kosten eines anderen leben, um sein Ding durchzuziehen! In der Demokratie lebt die Mehrheit auf Kosten der Minderheit(en) – da sie sich nur durchsetzen kann, indem sie die Anderen zu Verlierern abstempelt.

    “Wenn eine große Anzahl von Menschen sich auf eine bestimmte Politik einigen will (…)” – Das ist eine beeindruckende Prämisse! Wo will denn eine große Menge Menschen (im Rahmen von 80 Mio etwa) sich auf eine bestimmte Politik einigen? Die meisten Menschen individualisieren ihre Konflikte doch zusehends! Aus meiner Situation komme ich nicht durch Wahlen oder Majoritätsbeschlüsse heraus, sondern nur durch ganz individuelle Lösungen. Nur weil der Flaschenhals institutionel vorgegeben ist, heißt das doch noch lange nicht, dass die Menschen den auch wirklich wollen! Ich will nur notgedrungener Weise mit anderen zusammen eine Lösung finden, weil ich mit diesen Menschen zusammenleben muss. Da erwarte ich ein gewisses Maß an wechselseitigen Altruismus (“Wie Du mir, so ich dir” usw.). Aber tatsächlich will ich doch meinen eigenen Weg gehen!

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