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Post-Privacy als Utopie?

wie verquast muss man sein um eine solche scheissegal- und kapier-ich-eh-nicht-haltung gegenüber der gegenwart, gegenüber den brennenden fragen der informationsgesellschaft zu haben

(Felix Schwenzel unter der Überschrift “leck mich, SPD über den Beschluss der Vorratsdatenspeicherung letzten Freitag)

Nochmal nachträglich kurze Positionierung nach einer spannenden Kommentarthread-Diskussion im Uninformationsblog: Ich tendiere zuweilen, zumindest for the sake of argument, zu einer noch etwas diffusen, noch etwas leeren Utopie einer positiven Überwindung von Privatheit.

Dystopien einer negativen Überwindung von Privatheit haben wir genug: Überwachungsstaat-Orwelliana und die beruflich aussichtslose Zukunft der MySpace-Jugend, die ihre einmal online gestellten Saufexzessfotos auch eigentlich gleich ihren Bewerbungsbriefen beilegen könnte. Ist der Kampf gegen beides verloren — bzw., lohnt er sich überhaupt? Haben wir überhaupt eine demokratische Mehrheit im Willen, der politischen Klasse in ihren Überwachungsfantasien entgegen zu treten? Und wächst die MySpace-Jugend von heute[*], die bereitwillig ihre Privatheitsvorrechte gegen die Potentiale von Socializing 2.0 eintauscht, nicht bereits ganz ohne unser klassisches Konzept von Privatsphäre auf?

So sinnvoll es mir scheint, auf die Gefahren dieser Trends aufmerksam zu machen, so sinnvoll erscheint es mir auch, zu überlegen, welche neuen Potentiale sich in ihnen verbergen mögen. Ich suche nach Utopien positiver Überwindung von Privatheit.

Privatheit ist ein historisch junges Konzept. Was bringt sie uns, wofür brauchen wir sie? Lassen sich Konzepte wie Freiheit, Individualismus und Identität unter neuen gesellschaftlichen Bedingungen vielleicht anders, neu denken und begründen? Denn Privatheit, die Trennung in die Räume “privat” und “öffentlich”, Tabuisierung von Verhaltensweisen entsprechend ihrer Verortung zwischen diesen Räumen, ist das nicht auch oftmals problematisch, restriktiv? Ist es nicht viel mehr großartig, dass nun eine Jugend heranwächst, die keine Scham mehr kennt, kein schlechtes Gewissen mehr hat in dem, was sie in der Öffentlichkeit von sich zeigt?

Wer weiß, wie stark sich in Zukunft unseres digitales Erscheinungbild, unsere Online-Reputation, auf unser Leben auswirkt und auch den herkömmlichen Identitätsbegriff obsolet macht bzw. ihn erweitert.

(Klaus Eck, “Digitale Identität I: Ein neues Selbstverständnis”)

Entsteht vielleicht auch ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein dafür, dass man in verschiedenen Kontexten verschiedene Identitäten abgibt? Dass man in dem und dem Beruf jemand anders ist als auf der und der Junggesellenparty? Ein größeres Bekenntnis zum Spielen mit Identitäten, zum Jemand-anders-Sein, zwischen World of Warcraft, Xing und MySpace? Eröffnet sowas nicht neue Freiräume im Sein und Leben, das Abwerfen von der Idee des einen originalen Kerns und Zentrums von allen äußeren Funktionen, die einem traditionelle, exklusive Privatsphärenräume, Familie und fest definierter Freundeskreis, die einen ‘so kannten, wie man wirklich wahr’, nicht gaben?

Solche Fragen und Ideen suche ich. Positive Gegengeschichten zu den negativen. Wobei man freilich sehr vorsichtig sein muss, wem man damit eventuell das Wort redet.

[*] Das ist scary, dass ich solche Formulierungen verwende. Ich bin selbst gerade mal 22 Jahre alt und würde mich durchaus als digital native bezeichnen.

Nachtrag: In Ergänzung nun im Blog noch eine ganze Serie zu Begriffsideen wie ‘Post Privacy’, ‘Post-Identität’ usw. usf.

Tuesday November 13, 2007

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Kommentare

  1. Christoph / 14. November 2007, 00:06 Uhr

    Ich versuche mich mal in einigen Antworten, die keineswegs wissenschaftlich fundiert sind und auch nicht meine abschließenden Gedanken zum Thema darstellen.

    Zunächst: Die heranwachsende Jugend kennt sehr wohl Scham, aber sie kennt das Internet nicht :-) Als angehender Lehrer habe ich (natürlich) in Communities wie SchuelerCC einen Fake-Account. Bisher haben die Schüler in meinem privaten Umfeld darauf nicht sehr positiv reagiert. Sie empfanden das als falsch und fühlten sich plötzlich bedroht, weil ich mit den Daten ja sonstwas anstellen könnte. Als ich in ihrem Alter war, habe ich die damals online gestellten Bilder meiner Lehrer wiederrum gephotoshopt.

    Mein Netz-Erwachsenwerden hat sich also in dem Bewusstsein abgespielt, dass Daten im Netz öffentlich sind. Dieser Gedanke geht SchuelerCC-Nutzern (nach meinem subjektiven Empfinden) ab: Sie denken, dass der Passwortschutz die Daten intimisiert.

    Wir werden früher oder später in unseren Konzepten darüber, was Schule vermitteln soll, nicht umhin kommen, unseren Nachwuchs mit einer echten Medienkompetenz auszustatten. Das, was ich an der Uni in Sachen Medienkompetenz-Ausbildung mitbekommen (und genau deswegen gemieden) habe, ist eher peinlich: Da zählt das Anschließen von Laptops an Beamern als Ausprägung höchster Kompetenz über die unsäglichen Tiefen nicht ergründbarer Medien. Und das habe ich mehr als einmal miterlebt. WTF? Ich meine, Büchern zählen auch zu Medien und niemand würde ernsthaft behaupten, dass man eine Medienkompetenz im Bezug auf Büchern hat, wenn man sie aufschlagen kann. Kritische Reflexion ist ein Kernpunkt aller bisherigen Bildungs-/Allgemeinbildungskonzepte für Schule und im Bezug auf Neue Medien kapitulieren ältere Lehrer, weil sie die Technik nicht verstehen, obwohl sie das “Zweifeln” vermitteln könnten. Schade drum, aber justiziell sieht man da ähnliche Tendenzen (WEP ist so übelst gebrochen und trotzdem dokumentiert er rechtlich immer noch das Geheimhaltungsinteresse). Da muss halt mal endlich gleich gezogen werden. Aber genug davon. (Die wesentlichen Pädagogen predigen seit den 1970ern genau diese Form von Medienkompetenz, aber die Wissenschaft ist der Wirklichkeit immer um 20 Jahre hinterher und bis da dann Erkenntnise ihren Weg wieder zurückfinden… hui. Naja)

    Davon abgesehen ist das Spielen mit Identitäten nicht neu. Fragt man Soziologen nach Identität, dann antworten sie: “Das heißt Rollen. Du verhälst dich nach der Rolle ‘Ehemann’, ‘Lehrer’, ‘Beamter’, ‘Sexgott’, ‘Metal-Freak’.” Identität ist dann ein Komglomerat daraus, bzw. die basalen Bestandteile, die in jeder Rolle noch irgendwie mitschwingen. Nichts neues also auch hier.

    Was das spezifisch Neue ist, ist, glaube ich, dass unsere sozialen Rollen, die wir so spielen, zur präventiven Strafverfolgung genutzt werden. Anhand von Algorithmen kann aus scheinbar normalen Verhalten ein Gefährdungspotential errechnet werden. Je mehr Spuren es zu einer digitalen “Rolle” gibt, desto leichter lassen sich Algorithmen darauf anwenden.

    Die Tatsache, dass ich hier mit Klarnamen bzw. mit Klar-E-Mail-Adresse schreibe, dass ich die Bilder meiner Lehrer gephotoshopt habe (=Handlung X), könnte mich irgendwann in eine Situation bringen, wo ich mich rechtfertigen muss, warum ausgerechnet ich dann doch nicht zu Handlung Y fähig wäre, wo ich doch X schon begangen habe.

    Die Frage ist für mich jetzt: Wie stark wird mich das beeinflussen? Werde ich mein Verhalten ändern, um nicht mehr abstrahierbar (ich vermeide “verdächtig” hier mal) zu sein und geht das überhaupt? Und wenn nicht, höre ich dann auf, mit Identitäten, mit Rollen zu spielen?

    (Teil 2 folgt)

  2. Christoph / 14. November 2007, 00:23 Uhr

    Teil 2:

    Alle unsere Entscheidungen sind privat. Ob wir nun vollständig determiniert oder frei oder was dazwischen sind. Alle Entscheidungen, alle Gedanken und auch Davorgelagertes: Alle Gefühle sind privat. Und dann äußern wir sie über Sprache, wodurch sie öffentlich werden. Je nachdem, wo und wann wir sie öffentlich, sind sie teil-öffentlich (z. B. Freundeskreis), öffentlich (z. B. Versammlung) oder radikal-öffentlich (Internet). Radikalöffentlich erkläre ich für Eingeweihte am besten mit google-cache.

    Ich denke, dass wir ebenso wenig wie wir um das Thematisieren solcher Prozesse unserer Welt in der Schule um eine Veränderung allgemeingesellschaftlichen Umgangs mit radikal-öffentlich gemachter Privat herumkonnen. Solange es Gesetze gibt, die Menschen dafür drangsalieren, dass sie ihre Gedanken ins Netz gestellt haben, werden wir auch Probleme damit bekommen. Wenn das Spielen mit Identität, das Ausprobieren von Rollen — ein natürliches Spiel des Menschen, nicht nur in der Pubertät etc. — nur für solche gefahrlos bleibt, die das in einem solchen Rahmen tun, so dass keine wie auch immmer gearteten Sanktionierungsalgorithmen auf sie anspringen, plädiere ich für Privatheit oder besser: für faktisch anonymie Identitäten oder wenn das nicht geht: Für einen Verzicht auf Identitätsspiele in radikal-öffentlichen Medien.

    Mit der Zunahme von Videoüberwachung etc. könnte das der gesamte öffentliche Raum werden und das fühlt sich für mich sehr befremdlich an.

    Damit werde ich natürlich dem Anspruch eines positiven Entwurfs vom Überkommen der tradierten Privatheit nicht gerecht.

    Manchmal denke ich, dass ich mich wie ein typischer Erwachsener anhöre, der darüber schimpft, dass früher alles besser war. Aber irgendwie bin ich erst 26 und irgendwie habe ich dieses befremdliche Fühl bei dieser Diskussion in mir, dass mir sagt, dass die Sache (anderer Umgang mit Privatheit) im Prinzip duchaus großartig und spannend sein könnte, wenn nicht… ja wenn da nicht so gewissen Kräfte wären, die da irgendwie Scheisse mit bauen wollen.

  3. Christian / 14. November 2007, 21:30 Uhr

    Christoph: Hui, danke, dassja ein sehr ausführlicher Kommentar, der eine ziemliche Breite an Themen auffächert :-)

    1. Ich glaube schon, dass ein neuer Umgang mit Identitäten / “Rollen” und ihrer Vielfalt im Internet entsteht. Früher entschied sich, welche Rolle man spielt, danach, zu welchem Zeitpunkt man an welchem Ort war. Heute kann ich fünf Identitäten über Multitasking in verschiedenen Fenstern gleichzeitig bedienen. Und sie zugleich mit einer stärkeren Kohärenz und Rückverfolgbarkeit, bewusster und zielstrebiger konstruieren. Ich kann auch schadloser ‘anonymisiert’ neue Identitäten ausprobieren, in einem Chat, einem Forum. Das alles trägt imho schon zu einem anderen Umgang mit Identitäten und Rollen bei.

    2. Die Sorge um die Anerziehung von Medienkompetenz ist eine alte; ich glaub, das traditionelle Bildungssystem versagt hier einfach strukturell notwendig. Wir müssen Voraussetzungen schaffen, unter denen sich die Jugend die Medienkompetenz selbst beibringt, denn der traditionelle pädagogische Betrieb kommt mit der Schnelligkeit der Entwicklungen einfach nicht hinterher. Vielleicht steckt im Sugata-Mitra-Ansatz Potential?

    3. Und ja, wir brauchen wohl wirklich neue Skalen und Differenzierungen als Ersatz der traditionellen Trennung ‘öffentlich’, ‘halb-öffentlich’, ‘privat’. Mir gefällt dein Ansatz, zu sagen: Gefühle und Entscheidungen sind privat. Ob ‘privat’ hier heißen muss: für niemand anderen einsehbar, das weiß ich nicht; aber doch wohl, das wäre unstrittig, ‘privat’ müsste zumindest heißen: niemand anderem eine Rechtfertigung schuldig.

    Das ist vielleicht der Kern von ‘privat’, den es zu erhalten gilt, gegen Orwellstaat und Furcht vor dem Bewerbungsgespräch: die Freiheit, sich nicht rechtfertigen zu müssen. Es wäre vielleicht durchaus eine Welt denkbar, in der alles, auch das individuelle Gefühl, auch die individuelle Entscheidung, einsehbar wäre, und die trotzdem frei wäre — wenn der Zwang, sich zu rechtfertigen, irgendwie wegfallen würde.

    Ja, ich glaub, dieser letzte Punkt müsste wirklich ein Kern für Utopien einer positiven Überwindung von Privatheit sein. Sehr gute Anregung :-)

  4. Erik / 17. November 2007, 14:27 Uhr

    Hallo zusammen,

    ich lese gerade den Punkt mit der “Anerziehung von Medienkompetenz” in beiden Beiträgen und meine, meinen Senf dazugeben zu müssen.

    Ich sag’s frei heraus: Das halte ich für sinnlos.

    Es ist nicht nur sinnlos, sondern gegenwärtig auch völlig überflüssig. Dass das alte Bildungssystem hier versagt, lässt sich schwer bestreiten, aber so spezielle Kompetenzen soll die Schule doch sowieso nicht vermitteln. (Grundlagenkompetenzen wie Rechnen, Lesen, Malen, Schreiben, Rumhüpfen werden natürlich vermittelt! Aber Mathematiker, Physiker, Olympiasieger werden wir dadurch doch noch lange nicht. Im Gegenteil: Ich beherrsche eine Sportart, die in der Schule nie auch nur erwähnt wurde.)
    Wir müssen Voraussetzungen schaffen, unter denen sich die Jugend die Medienkompetenz selbst aneignet?
    Wozu das denn? Das Internet existiert doch schon! Und das Fernsehen! Und die Computerspiele! Und die Sportvereine!

    Beispiel: In Hamburg hat die Polizei vor ein paar Jahren an sogenannten “Brennpunktschulen” Gewalltpräventionsseminare durchgeführt. (Kein Scherz!) Im Durchschnitt besuchte jeder Schüler zwanzig Minuten pro Woche diese Seminare.
    Das konnte man sich schenken! Nach drei Monaten eingestellt.
    Wieso? Na weil 20 Minuten pro Woche gegen fünf Stunden täglichen Medienkonsum nicht ankommen.

    Nebenbei: Brauchen wir in der Schule Benimmunterricht? Oder Ethikunterricht?
    Wenn die Jugendlichen nicht wissen, sich zu benehmen, können wir uns zwei Stunden in der Woche auch sparen! Wenn Schüler sich nicht ethisch-moralisch einigermaßen verhalten können, sind die dem Ethiklehrer gegenüber doch komplett belehrungsresistent!
    Ethik und Benehmen sind Dinge, die im alltäglichen Leben, in jeder Minute gelernt werden, nicht nur im Unterricht. Das meiste lernt der Mensch sowieso bevor er in die Schule kommt. (Neurobiologische Tatsache: höchste Anzahl der Verschaltungen im Gehirn haben wir mit zwei Jahren; danach nimmt sie kontinuerlich ab)
    Und wenn wir jetzt noch wissen, dass Zweijährige in Deutschland durchschnittlich 2 Stunden täglich fernsehen und noch vor der Einschulung mit dem Internet Bekanntschaft machen, dann frage ich mich wieviel Medienkompetenz Ihr der Jugend denn noch beibringen wollt!
    Die Medienkompetenz bei Kleinkindern nimmt inzwischen mehr oder ebenso viel Platz im Gehirn ein, wie Ethik, Moral, Sprache, Benehmen, Bewegung, Anstand, grundlegende Logik und Sozialverhalten zusammen (alles Dinge, die ein Sechsjähriger in die Schule bereits mitbringen muss!) Und es ist statistisch nachgewiesen: Je Fernsehkonsum mit Zwei, desto Lese-Rechtschreibschwäche, Fettleibigkeit und Aufmerksamkeitsstörung mit Sieben.

    Der pädagogische Betrieb kommt mit der Schnelligkeit der Entwicklung nicht mit? Na klar: Im Wettrüsten mit dem Medienkonsum hat er schon vor meiner Geburt (1984, George Orwell lässt grüßen) längst verloren.

    Mein dringender Ratschlag: Kein Fernsehen, Kein Internet, Kein Computer für Kinder unter Zehn! Und da kann der schönste Tierfilm und das Kindergerechteste Programm laufen.
    Weg damit!
    Es verdirbt die Lernprozesse im menschlichen Gehirn in der sensibelsten Phase.
    Wenn sie zehn Jahre alt sind und die oben genannten Kompetenzen einigermaßen besitzen, vielleicht in der vierten, fünften Klasse dann können sie es selbst entdecken und ausprobieren. Kindersicherung rein, damit nichts jugendgefährdenens passiert und ab und zu mit dem Kind zusammen die neuen Medien benutzen (entdecken kann es nur selbst! Sinnvoller Nutzen kann gemeinsam geschult werden. Stärkt zusätzlich die Beziehungsfähigkeit).
    Da brauchen wir keine Computer in den Schulen. Auch Filme können wir uns in der Grundschule schenken. Ist nur ein Vergehen an unseren Kindern (Und rausgeworfenens Geld).

    Danke

  5. bioadapter / 18. November 2007, 20:56 Uhr

    Eine interessante Überlegung, mit der positiven Utopie. Dir scheint es aber zu entgehen, dass das ungezwungene Spiel mit den Identitäten eine mehr oder weniger klare Trennung erfordert, das heißt, dass die unterschiedlichen Identitätssphären sich erstens nicht berühren und zweitens keine direkten Rückschlüsse auf die “RL-Persona” erlauben. Das Spiel mit den Identitäten widerspricht nicht dem Privacy-Gedanken. Im Gegenteil, ohne Privacy der “Kern-Identität” ist einem nicht nach Spielen zumute.

  6. Christoph / 19. November 2007, 17:29 Uhr

    @biodapater: Guter Punkt mit der Rückzugs-Kern-Identitäts-Geschichte. Da frage ich mich spontan, ob das vor allem für die Pubertätsphase (Identifikationsphase, sowas halt) tatsächlich stimmt oder ob da im Rückzug aufs Private nicht jede “gespielte” Identitäts als “potentiell nächste Realidentität” verhandelt wird.

    (Ach so und @Erik: Ich füttere keine Trolle. Vor allem keine kulturpessimistischen, die 30 Jahre pädagogische Forschung ignorieren zu können meinen, weil es qua eigenem Instinkt besser wüssten)

  7. Christian / 21. November 2007, 13:29 Uhr

    @bioadapter: Da würde ich halt als Frage aufwerfen, ob das Konzept dieser “Kern-Identität” nicht am Verschwinden ist und einem losen Verband verschiedener Identitäten weicht.

  8. Erik / 22. November 2007, 20:35 Uhr

    Mein lieber Christoph:
    Dass es Komentare gibt, die aus Gründen der Ästhetik nur vorgeben, intelektuell zu sein, lässt sich schwer bestreiten. Doch mir mangelndes Instiktbewusstsein und Kulturpessimismus vorzuwerfen entbehrt sogar jeder wohlklingenden Ästhetik!

    Als “angehender Lehrer” stehst Du darüber hinaus so weit unten im Gesamtkontext des Bildungssystems, dass mit Recht davon ausgegangen werden kann, dass (und das meine ich ohne Schmach oder Rüpel) Du von pädagogischer Forschung soviel verstehst, wie ein Dachdeckermeister vom Hochschulsystem.
    (Ganz konkret: Du bist genau dazu da, Trolle zu bedienen.)

    Insgesamt sind meine Ausführungen eh nicht als pessimistisches Geschwätz zu verstehen. Es ist vielleicht anzunehmen, dass ich nicht unerheblich am Thema vorbeirede. Das kann gut sein. Dafür bitte ich, mich zu entschuldigen!

    Was das Thema Medienkompetenz angeht beharre ich trotz der unprofessionellen Missachtung in diesem Blog auf meiner Meinung, dass a) Medienkompetenz längst informell (also zu Hause oder im Freundeskreis) erworben wird und b) deutlich wichtigere Kompetenzen (die heutzutage durch das überalterte Schulsystem sträflich vernachlässigt werden) einem immer höheren Anteil an Schulabgängern einfach fehlen.

    Lehrer sollten sich erstmal um b) kümmern! Das duale Bildungssystem würde es ihnen danken.

  9. Erik / 22. November 2007, 20:40 Uhr

    Nachfrage: Wozu braucht ein Lehrer einen Fake-Acount?

  10. Christoph / 26. November 2007, 19:54 Uhr

    @Erik: Comment#8 kann ich getrost übergehen. Und zu #9: Die spannendere Frage ist doch: Wozu braucht er ihn nicht.

  11. André Wendt / 10. January 2010, 14:19 Uhr

    Bin gerade erst durch eine Suche nach “postprivacy” gelandet und musste beim Satz “Privatheit ist ein historisch junges Konzept” doch erstmal schlucken. Abgesehen davon, dass es lt. Wikipedia bereits in der Antike ein vergleichbares Recht gab (http://bit.ly/7oPg7F), glaube ich auch, dass das Konzept der Privatheit weit älter und in Ansätzen auch im Tierreich zu finden ist.

    Von einem “historisch jungen Konzept” zu sprechen, halte ich für etwas kurzsichtig. Das stellt dann natürlich auch die ganze Argumentationskette in Frage.

  12. SRB / 15. March 2010, 09:00 Uhr

    Privatheit hin oder her, ich würde mich heute ungern mit den Verhfehlungen meiner Jugend konfrontiert sehen. Mögen sie in Frieden ruhen. Da das Internet aber (noch) nichts vergisst wären mir die Taten von damals heute sicherlich weitaus gegenwärtiger und würden mich ggf. belasten.

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