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9to5 #16: Putting the Pro in Procrastination

3:18 Uhr: “Putting the Pro in Procrastination” / Kathrin Passig

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Kathrin Passig stellt eine neue Arbeitsethik vor, die die “Aufschieberitis”, den Prokrastinationsdrang, zum mächtigen Arbeitswerkzeug formt.

Und ich hatte im Voraus gedacht, “Putting the ‘Pro’ in Procrastination” wäre zumindest zur einen Hälfte scherzhaft gemeint, und zur anderen Hälfte vielleicht als bloßes selbstbezügliches Abfeiern einer Unangepasstheit an Leistungsdruckparadigmen der alten Arbeitsgesellschaft. Aber Kathrin Passig meint es durchaus ernst und präsentiert praktikable Strategien, wie man “Prokrastination”, den Reflex des Aufschiebens von zu erledigender Arbeit, zu einem arbeitsbefördernden, arbeitsstärkenden Mittel machen kann.

Die drei Arten des Aufschiebens

Sie beginnt mit einem Verweis auf Paul Grahams “Good and Bad Procrastination”. Graham unterteilt das Prokrastinieren in drei Arten:

1. Aufschieben von zu Erledigendem durch Nichtstun (die Aufschiebe-Zeit durch Nichtstun zu verbringen, sei eher kein Problem notorischer Prokrastinierer, so Passig)

2. Aufschieben von zu Erledigendem durch Erledigung weniger wichtiger Dinger (das sei schlechtes Prokrastinieren, da es einem die ungerechtfertigte Befriedigung verschaffe, die Aufschiebe-Zeit nicht verschwendet zu haben, obwohl man Wichtigeres hat liegen lassen; Passig verweist aufs Behaglichkeitserlebnis, das das Abhaken leicht zu erledigender, aber größtenteils irrelevanter Kleinstaufgaben auf To-Do-Listen von Getting-Things-Done-Anhängern verursache, ohne dass dies die Erledigung des Wichtigen näher bringen; “man fühlt sich dann gut, aber es führt dazu, dass man Wichtiges nicht tut”)

3. Aufschieben von zu Erledigendem durch Erledigung anderer wichtiger oder gar wichtigerer Dinge (das ist gutes Prokrastinieren) …

Wie mache ich nun praktisch mein ‘Aufschieben’ produktiv?

Hierdurch wird ‘Prokrastination’ produktiv: Sie versorgt den talentierten Prokrastinateur mit einem Höchstmaß an Euphorie, Arbeitskraft und Kreativität in der Erledigung der Sachen, die ihm nur dazu dienen, das eigentlich vermeintlich zu Erledigende aufzuschieben. Man macht alles Mögliche — das allerdings sehr potent —, bloß um sich nicht mit Aufgabe x zu befassen. Power, die in der Ablenkung liegt vs. der Ohnmacht, unter wachsendem Schuldgefühl und widerstrebendem Sich-Zwingen, das zu tun, was man tun müsse.

Schlechtes Gewissen und Selbstdisziplin sind anti-produktiv. Will man produktiv prokrastinieren, muss man lernen, ohne Schuldgefühle aufzuschieben. Und Selbstdisziplin, nun, “sobald sie notwendig wird, tut man wahrscheinlich das falsche, sobald man sich zu dem, was man tut, zwingen muss”; sie verzehrt Energie, die sinnvoller verwendet werden könnte.

Anstatt die Power der Ablenkung allerdings in lauter unwichtige Kleinigkeiten auf einer Getting-Things-Done-To-Do-Liste zu lenken, könne man doch auch einfach paradoxe Strategien entwickeln, das Aufschiebeverhalten vom Unwichtigen in Wichtiges zu lenken. Einen solchen Ansatz stellt laut Passig John Perry mit “Structured Procrastination” vor. “Es müssen eben nur die falschen Projekte ganz oben auf der To-Do-Liste stehen”, Dinge, die “dringend und wichtig wirken, ohne dies zu sein”. Die ‘wirklichen’ wichtigen Dinge gehören dann eher in die Mitte als an die Spitze der To-Do-Liste, denn nur dort werden sie auch mit genug Euphorie erledigt. Aber nach welchem Maßstab soll man eine solche Anordnung durchführen?

Kriterien

Paul Graham gibt als Relevanz-Kriterium für die Erledigung einer Arbeit die Frage an, ob diese Arbeit irgendwas zur eigenen Grabsteininschrift beitragen möge. Vieles ist ja einfach auf lange Sicht ganz unwichtig oder erledigt sich mit der Zeit von selbst. Linus Torvalds hat unterm Prokrastinationstrieb Linux geschrieben, anstatt sich um sein Studium zu kümmern; welches dieser beiden Ziele war wohl, nachträglich betrachtet, relevanter? Überhaupt, Programmierer, sie sind oft sehr produktive Prokrastinierer; “Faulheit, Hybris und Ungeduld” sind ihre “drei Tugenden”.

Eine etwas ausgefeiltere Mechanik zur Entscheidungsfinden über das Verrichten einer Arbeit hat sich Aleks Scholz ausgedacht. Sein System stellt an jede Arbeit vier Fragen:

1. Macht sie unmittelbar Spaß?
2. Ist sie irgendwie relevant? (“nach gängigen Maßstäben von Relevanz”, diese Beifügung macht mir den Punkt aber nicht unbedingt verständlicher)
3. Verbessert sie langfristig das eigene Leben?
4. Führt sie absehbar zu Projekten, auf die die ersten drei Punkten zutreffen?

Zwei der Punkte müssen zutreffen, damit die Arbeit verrichtet wird.

Noch ein paar Punkte

“Weniger arbeiten ist mehr arbeiten”: Da Arbeit dazu neigt, die für sie vorgesehen Zeit vollständig aufzufressen, erhöht sich die Arbeitseffizienz, wenn man sich weniger Zeit zum Verrichten einer Arbeit gibt. Am besten ist es, man bürdet sich ganz, ganz viele Aufgaben gleichzeitig auf, dann ist die Chance, dass man recht viel verrichtet bekommt, am höchsten. Passig meint, sie habe sich vorhin mit Peter Glaser unterhalten: Der hält sich am liebsten vier verschiedene zu erledigende Aufgaben oder Projekte gleichzeitig, diese Vervielfältigung hilft ihm, sie zuende zu bringen.

“Es muss auch mal was egal sein dürfen”: “Perfektion ist der Weg ins Unglück, stellt sich im Nachhinein stets als unnütz heraus”, ob die Hausarbeit, die man schreibt, nun noch ein kleines Detail besser oder schlechter ist, kann einem in zehn Jahren, wo sie eh vergammelt ist, völlig egal sein.

Und ich überlege mir: Wenn man all diese Punkte zusammen fasst, wenn man lernt, die Energievernichter “schlechtes Gewissen” und “Selbstdisziplin” als Energievernichter auszuschalten, wenn man es schafft, die eigene Aufschieberei-Energie sinnvoll zu channeln, wenn man dabei zugleich über Vorrathaltung verschiedener Arbeitsaufgaben in Parallelisierung den eigenen Arbeits-Output zu vervielfachen … Steht man da am Ende nicht mit einer neuen Arbeits-Ethik da, die alte Arbeitsethik zu outperformen? Hat das nicht Potential, sich evolutionär durchzusetzen, ist der Prokrastinierer vielleicht der Erfolgsmensch der Zukunft?

Saturday August 25, 2007

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