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Das Ende des Alterns und die Unsterblichkeit

Alter ist eine Krankheit. Krankheiten heilt man.
Tod ist eine Krankheit. Krankheiten heilt man.

Mit Labormäusen kriegen wir bereits so Einiges hin. Beispielsweise Lebensverlängerung. Regelmäßig trudelt eine neue Meldung durch die Wissenschaft: Wieder einmal wurde durch ein neues Verfahren das Maus-Maximalalter um so einige Prozente hochgepusht. Inzwischen wird sogar ein hochdotierter “Methusalem-Maus-Preis” für neue Rekorde ausgelobt. Als Endziel steht dabei stets ein größeres allgemeines Verständnis für Alterungsprozesse — und langfristig auch eine Übertragbarkeit auf den Menschen. “Life Extension” ist das Stichwort. Der Mensch wird ja schon so immer älter und älter, durch Fortschritte in Medizin und Lebensführung. Warum das Ganze also nicht ganz offen als medizinisches Ziel setzen?

Mit der Wissenschaft gezielt das Altern bekämpfen

Natürlich wollen wir keinen Planeten voller alzheimerkranker Hundertdreißigjähriger. Das Ziel ist nicht einfach nur ein statistisches: die erreichbare Jahreszahl hochzutreiben; sondern ein Kampf mit dem Alter an sich: das biologische Abbauen des menschlichen Körpers zu verlangsamen und abzubremsen.

Es gibt da bereits ganz ambitionierte Projekte, z.B. die “Strategies for Engineered Negligible Senescence” — kurz: SENS — des nicht gerade unumstrittenen Biogerontologen Aubrey de Grey. De Grey möchte sich nicht mehr mit rumstochernder Grundlagenforschung in der Wissenschaft des Alterns begnügen. Er hält die Zeit jetzt für gekommen, zielstrebig Strategien gegen das Altern zu entwickeln. Er identifiziert eine Handvoll von konkreten biologischen Prozessen, die die Probleme des Alterns erzeugen sollen. Und er schlägt ebenso konkrete biotechnische Lösungsverfahren vor.

Andere Wissenschaftler halten de Greys Vorschläge für etwas zu voreilig; das Feld für noch zu unerforscht, um ein solches Projekt auf wissenschaftlich solider Grundlage anzugehen; und die von de Grey vorgeschlagenen Strategien gegen Alterungsprozesse für technisch noch lange Zeit undurchführbar. Aber de Greys Traum ist sehr verlockend und zieht z.B. bereits so zahlungskräftige Investoren wie den PayPal-Gründer Peter Thiel an, der de Greys “Methusela Foundation” 3,5 Millionen Dollar zur Forschungsförderung zusteckte. (Thiel ist auch ansonsten recht vielfältig aktiv, er engagiert sich fürs “Singularity Institute for Artificial Intelligence” und war Ko-Produzent der wunderschönen Lobbyismus-Satire Thank You For Smoking!, die ich in cine:plom ausgiebig bebloggt habe.)

Dabei müssen wir gar nicht unbedingt binnen der nächsten zehn Jahre den Heiligen Gral einer Pille zur Verjüngerung oder zum Altersstopp finden, um so alt wie Methusalem zu werden. Der Anhänger der “Life Extension” spekuliert darauf, einfach noch lange genug zu leben, um den nächsten kleinen Schritt in der Medizin der Lebensverlängerung mitzuerleben, hierüber dann wiederum die paar Jahre länger am Ball zu bleiben, die notwendig sind, um den nächstweiteren Schritt mitzumachen, der ihn wiederum länger auf Erden verbleiben lässt, so dass er es auch noch miterlebt, wenn dann als nächstes ein noch potenteres Life-Extension-Mittel … You get the idea. Der Life-Extensionist hat also gut Grund, sich auch auf konventionellen Wegen gesund und fit zu halten, bis die Entalterungsforschung die “Actuarial escape velocity” erreicht hat, ab der mit jedem Jahr die Lebenserwartung selbst um ein Jahr oder mehr steigt.

Diejenigen, die nicht glauben, es von sich aus lange genug zu machen, legen ihre Hoffnungen dagegen real in die Kryonik: Sie unterzeichnen Verträge, z.B. mit der “Alcor Life Extension Foundation”, um sich im Moment ihres Verscheidens einfrieren zu lassen, um dann in einer medizinisch hinreichend fortgeschrittenen Zukunft reanimiert zu werden. Am Ende, so hoffen sie, erwartet sie die Unsterblichkeit.

Für und Wider der Unsterblichkeit

Dass der Mensch die Unsterblichkeit erreichen könne, dass wir selbst vielleicht in unserer Lebzeit noch Unsterblichkeit erlangen könnten, das ist den meisten Menschen dann doch eine etwas zu abgefahrene Idee, die die Life-Extension-Anhänger daher auch noch nicht nennenswert in der Öffentlichkeit etablieren konnten. Unsterblichkeit, das hat einen religiös-mystischen Anklang und ist doch mehr was für Gralssucher und griechische Gottheiten. Selbst in Science-Fiction-Welten ist das Konzept in aussagekräftigem Maße unterrepräsentiert.

Nichtsdestotrotz: Es wird debattiert. Nicht nur in der Euphorie der Befürworter, sondern auch in den warnenden Worten von Kritikern, die den Komplex offenbar ernst genug nehmen, um ihn als Bedrohung zu diagnostizieren. Namen wie Francis Fukuyama (der den Begriff vom “Ende der Geschichte” prägte) sehen in der Überwindung biologischer Grenzen des Menschen Gefahren für die menschliche Gesellschaft. Auf der Pro-Seite stehen Leute wie Aubrey de Grey, die nicht minder moralisch argumentieren: Jede Verzögerung im Life-Extension-Unternehmen würde unnötigerweise Millionen, langfristig Milliarden von Menschen dem Tod und furchtbaren Alterskrankheiten zuführen, was ansonsten vermeidbar wäre.

Der Transhumanist und Futurismus-Ethiker George Dvorsky gibt in seinem Blog eine Übersicht über die populären Argumente der Debatte im Für und Wider. Gegner der Unsterblichkeit argumentieren mit dem Primat des Natürlichen, zu dem auch das Alter und der Tod zählten; unsere Gesellschaft und unsere Moralsysteme seien auf dem Konzept eng begrenzter Lebensdauer aufgebaut und würden kollabieren; kulturelle und politische Flexibilität der Zivilisation würden von einem regelmäßigen Generationenwechsel abhängen, der so in Frage gestellt würde; die menschliche Psychologie sei auf Unsterblichkeit nicht eingestellt, wir würden uns irgendwan charakterlich deformieren, krankhaft langweilen oder wahnsinnig werden.

Der Life-Extensionist dagegen bezeichnet den Tod von Menschen als eine furchtbare Sache, die nicht mit Natürlichkeit oder dem Wohl der Gesellschaft zu rechtfertigen sei. Leben sei ein Recht, das nicht verwehrt werden dürfe. Über den Endpunkt eines Lebens habe niemand zu entscheiden außer seinem Träger. Eine Gesellschaft der Unsterblichen würde zugleich zwangsläufig neue Einstellungen und Ethiken kultivieren, die den von den Kritikern angeführten soziokulturellen und psychologischen Problemen entgegen ständen. Der technologische Fortschritt sei nicht aufzuhalten, die Möglichkeit der Life Extension werde zwangsläufig irgendwann gegeben sein, es sei im Interesse aller, dann für eine sozial möglichst breite Verteilung dieser Chance zu sorgen, anstatt sie drakonisch vorzuenthalten und Massenmord an denen zu begehen, die hätten weiterleben können.

Rotwein trinken ist gesund

Zu behaupten, es sei unklar, was die Zukunft bringt, ist in vielen Fragen vielleicht nicht mehr länger verantwortungsvoll. Als möglicherweise einzige Lebensform mit einem intellektuellen Bewusstsein des Universums sind wir inzwischen an einem Punkt der Geschichte angekommen, an dem wir mit den Bauteilen dieses Universums selbst, seiner Materie, aber auch mit den Bauteilen des uns hierzu ermächtigenden Lebens und der uns hierzu ermächtigenden Intelligenz spielen können. So mancher radikale Umbruch, zivilisatorisch wie biologisch, erscheint für die, wenn wir in Zeiträumen der Menschheitsgeschichte denken, nahe Zukunft unvermeidlich. Es kann nicht schaden, die Gegenwart mit wachem Auge für Entwicklungen in diesen Bereichen zu durchschreiten.

Es heißt, Rotwein im Alter zu trinken sei gesund. Verantwortlich gemacht wird dafür sein in der Natur vorkommender chemischer Bestandteil Resveratrol. An Labormäusen hat man ein synthetisches Resveratrol namens SRT501 mit vielfach potenzierter Wirkung erfolgreich ausgetest und so ihr Lebensspanne und Fitness bedeutsam erhöhen können. Verträglichkeitsversuche mit Menschen verliefen inzwischen problemlos (via). Vielleicht hat man die nächste Wunderpille fürs Erreichen der “Actuarial escape velocity” gerade gefunden.

Friday August 3, 2007

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Kommentare

  1. erik / 13. November 2007, 15:26 Uhr

    Wenn wir annehmen, die Bewusstseinskontinuität existiert nicht!
    (Und es ist höchstwahrscheinlich, dass sie das nicht tut, denn ich bin mir meiner Selbst im Schlaf nicht bewusst!)
    Dann wäre “Mind-Upload” eine faszinierende Vorstellung, über die es innerhalb der nächsten hundert Jahre nachzudenken gelte. Denn dann wäre es egal, ob ich Selbst oder nur eine “Kopie” meiner selbst überlebt.
    Doch ist uns dann die eigene Sterblickeit nicht auch egal? Schließlich sterben wir dann jeden Tag.

  2. Christian / 13. November 2007, 19:23 Uhr

    Erik: Tatsächlich müssen wir uns wohl wirklich erst umfassend bewusst werden, wie Ich-Bewusstsein funktioniert, um diese Fragen zu klären. Und das ist ein so hochkomplizierter Bereich, dass sogar ich ihn noch nicht so ganz verstanden habe ;-) Muss mal bei Gelegenheit ein ordentliches Buch zum Gehirn lesen, schwant mir.

  3. klaus gieg / 20. January 2008, 19:50 Uhr

    Ist nicht die Diskussion um das Thema “Unsterblichkeit” von A bis Z sinnlos? Wenn es möglich ist, wird es geschehen, das ist eine universale Kontinuität. Im 19. Jahrhundert warnten viele weitblickende Menschen vor den Bedrohungen durch die technische Entwicklung UND die Realität hat alle Schreckensvisionen übertroffen UND trotzdem haben wir auf diesem Wege immer weiter gemacht. Peter Thiel ist bei weitem nicht der Einzige, der hier investiert und es liegt nun einmal in der menschlichen Natur, dass jeder Tod eines Reichen/Mächtigen alle anderen Reichen/Mächtigen zu neuen Investitionen in “Unsterblichkeit” treibt (schon der erste Kaiser Chinas Qin Shi Huang-di ruinierte auf diese Weise beinahe das Reich, wenn auch vergeblich).
    Daher behaupte ich:
    a) die Forschung und Entwicklung wird weitergehen ohne Rücksicht auf die Diskussion
    b) Erfolge oder was man dafür hält, werden genutzt ohne Rücksicht auf die Diskussion
    c) wenn es tatsächlich klappt mit der Unsterblichkeit, dann wird die Diskussion dadurch enden, dass die Gegner des “ewigen” Lebens aussterben, weil spätestens die nächste Generation das, was sie von Kind auf kennt, nämlich eben dieses “ewige” Leben, als NORMAL ansieht. (“ewig” in Anführungszeichen, weil dieser Begriff schwer definierbar ist).
    Ich lasse hierbei bewusst offen, ob dann das Mind-Uploading der Königsweg ist oder die physische Unverwüstlichkeit oder irgend eine andere Methode, dann das ist noch eine offene Frage.

  4. Christian / 28. January 2008, 18:37 Uhr

    @klaus gieg: Mag ja sein, dass die Diskussion nicht groß Einfluss darauf hat, ob es geschehen wird oder nicht, aber Diskutieren macht Spaß! ;-)

    Außerdem, der öffentliche Diskurs und die Politik lenken natürlich schon, wieviele Menschen wieviel Kraft in welches Vorhaben zu investieren bereit sind. Nur deshalb sind die Amerikaner auf dem Mond rumgehoppst, zum Beispiel. Advocacy für oder Ängste schüren gegen eine Idee kann also sehr wohl zumindest beeinflussen, wie schnell oder langsam etwas geschieht, unter welchen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen (ein Unsterblichkeitsmittel als Universalrecht oder nur als Luxus für die PayPal-Mafia? Staatliche Förderung oder Verbot?) es verfügbar wird. Mag sein, dass sich das aus langfristiger Perspektive alles von selbst erledigt, aber wir leben ja auch im Kurzfristigen, nicht nur im Langfristigen :-)

  5. Klaus Gieg / 28. January 2008, 20:52 Uhr

    Was das Kurzfristige angeht, in dem wir (leider) leben: genau davon rede ich. M. E. werden, um einen zeitlichen Rahmen zu haben, schon zur nächsten Bundestagswahl im November 2009 lebensverlängernde Technologien auf dem Markt sein und die Diskussion, insbesondere auf der politischen Ebene, dadurch überholt werden. Langfristig, d. h. in fünf oder sechs Jahren, wird die Frage schon so tot sein wie etwa die mittelalterliche Debatte, wie viele Engel auf einer Nadelspitze tanzen können.
    Und wenn man mir nun zu grossen Optimismus vorwirft, brauchen wir doch nur abzuwarten, sooo lange ist das ja nicht mehr hin ;-).

  6. Christian / 29. January 2008, 03:06 Uhr

    @Klaus Gieg: Wahrlich, klingt schon gewagt. Wobei ich’s natürlich cool fände, wenn ;) So oder so würde das Gegebensein der Technologie viele Diskussionen aber überhaupt erst öffentlich breit notwendig machen, die momentan bestenfalls den Status von Gedankenspielen erlangen: Verteilungsgerechtigkeit, Logistik, Populationskontrolle, usw.usf. Kann ja nicht schaden, schon jetzt sich an dem argumentativen Inventar, was dann aktuell würde, zu üben (jedenfalls z.B. hier in einem Utopien&Futurismen-Blog ;-) ).

    So oder so, wir leben in spannenden Zeiten. Das bissel mediale Stirnrunzeln über Craig Venter dieser Tage ist wahrscheinlich nix im Vergleich zu dem, was an Biotechfragen demnächst noch kommen wird.

  7. Klaus Gieg / 30. January 2008, 19:42 Uhr

    So nehme ich denn die Herausforderung an ;-) und behaupte:

    - Verteilungsgerechtigkeit ist kein Streitpunkt, weil wir die zukünftigen Möglichkeiten komplett via Internet nutzen können, an das dann Peripheriegeräte wie z. B. 3-D-Drucker zur physischen Realisierung angeschlossen sind.
    Das bedeutet, während z. B. die deutsche Politik in notorischer Realitätsblindheit noch darüber streitet, was “Gerechtigkeit” überhaupt wäre, werden sich die ganz normalen Menschen in aller Welt mit dem helfen, was da ist (Handy aus dem 3-D-Drucker, bionische Kontaktlinse aus dem 3-D-Drucker, Arm- und Beinprothesen und und und…)

    - Logistik: hat sich damit auch erledigt

    - Populationskontrolle? Jeder derartige Versuch wird zum Scheitern verurteilt sein, weil sich die Population nicht kontrollieren lässt (die chinesische Ein-Kind-Politik griff zu extremster Gewalt und scheiterte trotzdem [oder vielleicht gerade deswegen?]). Genau diese Tatsache wird dafür sorgen, dass die Entwicklung voran geht, denn während das überalterte Europa erschlafft, machen die jungen Menschen in Saudi-Arabien, Südamerika, Afrika etc. erst so richtig Dampf.

    Der sich derzeit abzeichnende Erfolg des Eee-PC und einiger anderer Geräte ist für mich Beweis genug, dass die ganze Menschheit binnen weniger Jahre über ausreichend Hardware verfügen wird, um das umzusetzen und damit die Diskussion überflüssig zu machen. Des weiteren glaube ich, dass auch die Energieversorgung nicht die Schwachstelle ist, als die man sie betrachtet, weil in diesem Punkt Entwicklungen laufen, die “Peak-Oil” vom Schreckensszenario zur leeren Floskel degradieren. Selbst wenn das Öl ausgeht, haben wir genug andere Energieträger – die Israelis haben z. B. gerade verkündet, ein landesweites Netzwerk für Elektroaustos aufzubauen, das mit Solarstrom arbeitet, die Solartechnik selbst macht enorme Fortschritte etc.

  8. Christian / 03. February 2008, 19:45 Uhr

    Klaus: Aber werden die Staaten tatenlos dabei zusehen wollen, wie ihnen die Kontrolle entgleitet?

  9. Klaus Gieg / 04. February 2008, 17:56 Uhr

    Nein. Ich fürchte, dass die nähere Zukunft nicht friedlich abläuft, denn dazu sind die Menschen zu dumm.
    Einige Politiker werden versuchen, die Entwicklung mit Gewalt aufzuhalten, andere werden es mit Bestechung der Menschen durch Steuergeschenke, Subventionen etc. probieren. Zwar werden sie allesamt scheitern, die einen früher, die anderen später, aber in jedem Fall noch viel Schaden anrichten. Ein historisches Beispiel, das dieses Szenario verdeutlichen könnte, ist die katholische Inquisition, ein aktuelles die Al Qaida (ja, die macht Politik, egal ob anerkannt oder nicht) einerseits und die US-Aussenpolitik andererseits.
    Dazu kommt noch die Ungeduld vieler, vor allem jüngerer Leute, die öfter mal auf den Putz hauen und den Politikern willkommene Vorwände für ihr Handeln liefern. Entsprechende Tendenzen beobachtet man z. B. in Saudi-Arabien, wo immer mehr Petrodollars ausgegeben werden müssen, um die wachsende Bevölkerung ruhig zu stellen – es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Herrscherdynastie das Geld ausgeht und spätestens dann knallts. Es sei denn natürlich, man findet einen Weg, die hier angestaute Energie in konstruktive statt destruktive Bahnen zu lenken, welche das auch immer sein mögen. Wenn man konsewquent in diese Richtung denkt, liessen sich die negativen Teile der kommenden Umwälzungen vielleicht abmildern.

  10. Klaus Gieg / 04. February 2008, 18:31 Uhr

    Ergänzung: Bestechung durch Politiker kann auch heissen “Macht mich zum Präsidenten und ich erlaube euch die Stammzellenforschung” – John Kerry, 2005.
    Derartige Sprüche werden wir in nächster Zeit öfter hören, je mehr die Chancen der Biotechnologie ins öffentliche Bewusstsein vordringen. Wenn die Menschen erst einmal mehrheitlich glauben, dass “die Gentechnik” ihnen persönlich nützen kann, werden sie entsprechende Forderungen an die jeweiligen Autoritäten stellen – das wird ein Spass, wenn es z. B. in der BILD heisst “Kanzlerin, rück die Stammzellen raus” (analog zu “Kanzler, rück den Billigsprit raus”, 2005).
    Meine Güte, was für eine Welt! Was für ein Abenteuer, in dieser Epoche zu leben!

  11. Norbert Nickles / 14. March 2008, 02:22 Uhr

    Es ist doch wohl jeder Mensch für längeres (ewiges) Leben und diejenigen, die dem widersprechen, werden spätestens angesichts des nahenden Todes (oder des Todes eines Angehörigen) ihre Meinung ändern. Leider leben wir keineswegs in einer interessanten Zeit und keienr sollte sich Illusionen hingeben, dass Medizin und Technik weit genug vorangeschritten sind um unser Leben auf ausreichende Weise zu verlängern. DArum bleibt zunächst wirklich nur die Möglichkeit der kryonik (was beispielsweise im Falle von menschlichen Embryos längst funktioniert) und auf eine Weiterentwicklung von Medizin und Technik im “Tiefschlaf” (notfalls jahrhundertelang) in der Zukunft zu warten….

  12. Christian / 14. March 2008, 17:15 Uhr

    Norbert Nickles: Ein bisschen mehr Argument würd ich mir aber schon wünschen als nur unbegründet zu sagen, “X ist nicht der Fall” ;-)

  13. Lothar / 07. May 2008, 04:40 Uhr

    Interessanter und abgewogener Text, der bei der Vielfalt der Aspekte und Tiefe der Probleme natürlich vieles nur anreissen kann. Drei Anmerkungen von mir:

    1. Stimme völlig zu, daß politische Entscheidungen Entwicklungen beschleunigen oder verzögern können. Damit wird die individuelle Einstellung bzw. das Arbeiten an kollektiven Einstellungen z.B. via Medien oder einem Internetblog etc. aber zur entscheidenden Größe, wenn man nicht wie Klaus Gieg sämtliche wissenschaftlich-praktischen Langlebigkeitsprobleme längst schon gelöst sieht. Dafür gibt es allerdings keinerlei Belege.

    2. Ob der Unsterblichkeitsgedanke in der Science Fiction ‘unterrepräsentiert’ ist, dürfte empirisch schwer zu belegen sein. Zwei der größten SF-Massenphänomene sind allerdings davon beherrscht: a) die Perry Rhodan-Serie wurzelt geradezu in der körperlichen Unsterblichkeit ihrer wichtigsten Helden und b) auch im Star Trek-Universum gibt es Dutzende von Episoden, in denen das Unsterblichkeitsthema in der ein oder anderen Form eine wichtige Rolle spielt. ‘Next Generation’ etwa schlägt einen Bogen von der ersten bis zur letzten Folge mit dem unsterblichen Q.

    3. Man hat IMMER Grund, sich gesund und fit zu halten, aber das Konzept der gestuft fortschreitenden ‘escape velocity’ klingt abstrakt leider plausibler als es ist. Nach allem, was wir wissen, ist Altern ein multifaktorieller Prozess, der auf allen möglichen organischen und zellulären Ebenen (mehr oder weniger) gleichzeitig abläuft. Schwer vorstellbar wenngleich nicht unmöglich, daß wir etwas finden, daß einerseits umfassend auf alle diese Ebenen positiv einwirkt, andererseits aber dann doch wieder nur zeitlich begrenzt sein soll. Das Hauptproblem einer entsprechenden Forschung ist sowieso ein methodologisches Dilemma, denn jegliches Langlebigkeitsmittel müsste definitionsgemäß über Jahrzehnte erforscht werden, bis man nach den heute geltenden Maßstäben z.B. in der Arzneimittelforschung sicher sein könnte, daß es tatsächlich und nebenwirkungsfrei funktioniert. Aus diesem Grund werden die heute lebenden immer zu den ‘Pioniergenerationen’ gehören, wobei für mich noch gar nicht abzusehen ist, welche Konsequenzen sich aus diesem zentralen Umstand alles ableiten.

  14. Chris / 07. May 2008, 10:34 Uhr

    Ja, mei! Dein Blog hier ist einen Arena für Gedankenzirkus, einfach nur großartig.

    Ich befasse mich auch schon seit geraumer Zeit mit u.a mit Life Extension, Mindupload, Singularität, etcpp

    Hab gerade wenig Zeit, möchte nur kurz zwei Denkanstöße geben:

    “Bewusstseinskontinuität” grundsätzlich als nicht gegeben zu behandeln, finde ich,…bedenklich/gefährlich; dieser Faktor mag noch für Überraschungen sorgen….
    Immerhin gibt es Methoden/Thesen die zb. noch über das bewußte Träumen hinausgehen….

    Um die Konditionierung “der menschlichen Seele/des Geistes” im Hinblick aufs verkraften des “ewigen” Lebens (sei es nun via mindupload oder eben tatsächlich realisiert) mache ich mir keinen Gedanken,… pascht schoo…

    Schliesslich, wie oben im Text ja schon angemerkt, wird der Träger eines solchen “nicht-endbaren” Lebens die volle Verantwortung übernehmen müssen.

    Somit,…sollte es soweit sein, wird das Faktum allein schon zur Zwangsverarbeitung führen.(müssen)

    kryptischeGedankenClustereiEnde

    Ahso: Klasse übrigens, das “ich” in deiner Linkliste stecke. Werde dieser Tage auch mal meine ganz persönlichen Ideen, Gedanken zum Thema “Zukunft, und der Mensch macht mit” rauskloppen….

  15. Chris / 07. May 2008, 14:59 Uhr

    …mir fällt da gerade noch was ein:

    “Mit wachen Augen durch die heutige Zeit laufen”

    Im futurologischen Kontext durchaus ein wünschenswerter Vorsatz. Nimmt man jedoch einmal die alltäglichen technischen Veränderungen,…muss ich mir für meinen Teil eingestehen, das, wäre die Singularität gestern erreicht worden /“passiert”….ich hätts nich gemerkt…. ^^ (Bot

    btw: Hab bei mir drüben auch mal was auf die Welt losgelassen, freu mich über Anmerkungen, Verbesserungen, Inspirationen.

  16. Rolle56 / 13. September 2008, 17:08 Uhr

    Hallo

    In Zusatz von Aubrey de Greys Werk habe ich auch das Buch von Kurzweil/Grossmann “Fantastic Voyage, ive long enough to live forever”.

    Ich bin auch der Meinung das wir den Punkt erreichen werden der unser Leben radikal verlängert. Ewig ist vielleicht für einen Naturwissenschftler ein zu gewagtes Wort. Aus der heutigen Sicht können wir allerdings Lebenserwartungen bekommen die so gut wie ewig sind. Obwohl dise Entwicklung unvermeidlich ist, ist eine nicht unwichtige Frage ob wir sie unterstützen wollen oder nicht. In der Praxis geht es um ein paar Jahre früher oder später kommt abhängig davon wieviel Geld wir für die entsprechende Forschung ausgeben. Also die Frage ob wir unsterblich sein sollten oder ist meiner Meinung nach rein akademisch. Ich weiss was ich für mich persöhnlich will :-)) ud wage zu wetten das über 90 % aller Menschen sich genau so entscheiden wenn man ihnen die Möglichkeit gibt. Ich bin auch davon überzeugt dass sich ähnlich wie Handys die Möglichkeit sehr schnell auf Entwicklungsländer ausbreitet.

    Sehr erfrischend zu sehen dass es eie Gruppe von Leuten gibt die die kommenden Herausforderungen auch sehen.

    Die Auswirkung einer radikalen Lebensevrlängerung sind natürclih sehr vielfältig.

  17. P.Kropp / 15. October 2008, 11:26 Uhr

    IOch weiß nicht, vielleicht haben wir irgendwann virtuelle Unsterblichkeit. Wenn man bedenkt, wie schnell der Fortschritt vorangeht. Wir können uns alle noch alle an den C64 erinnern und haben den vielleicht selbst benutzt. Jetzt sind wir bei Lapttops mit RAM im Gigabyte bereich, dem Internet und HSDPA , UMTS usw. vielleicht ist es zu unseren Lebzeiten noch möglich, Bewußtseinsinhalte komplett in eine Virtuelle Realität zu laden und dort selbst nach dem Ende der biologischen Lebenszeit weiterzuexistieren. Gibson bezeichnet das als “Flatline” in seinem Roman Neuromancer.

  18. Armin / 01. March 2010, 02:48 Uhr

    Ich neige bei so haglichen Themen immer öfter zu glauben, dass es so etwas schon unlängst gibt, wie die Unsterblichkeit. Da kommen mir viele “Verschwörungstheorien” in den Sinn. Vielleicht gibt es bereits “Gruppen” welche weitaus mehr wissen als sie uns glauben lassen. Als Beispiel: Im Mittelalter hat man die Menschen auch an Hexen, Magie und viele für uns heute unvorstellbaren Themen glauben lassen. Warum sollte nicht auch in der heutigen Zeit die Welt auf so eine Struktur aufgebaut sein? Stellt euch mal vor dass die eigentlichen Produkte welche wir in den Händen haben nur Abfallprodukte sind, welche schon seit vielen vielen Jahren existieren(Technisch). Vielleicht gibt es Literaturen die uns für immer verschlossen bleiben werden, Forschungen die weitaus über unseren jetzigen Vorstellungen reichen.

  19. Steve / 19. March 2010, 18:49 Uhr

    Ich tippe ehrlich gesagt auch darauf das wir es noch erleben werden das ein Mittel gefunden wird um zumindest das ,,Altern” stark abzubremsen. Schon alleine deswegen weil man damit unglaublich viel Geld verdienen könnte.
    Es gibt ja schon heute so einige Wunderheilmittel in dem Bereich für die viele Leute bereit sind enorm viel Geld auszugeben ohne das überhaupt eine Wirkung bewiesen ist…

    Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die entsetzten Gesichter jener Statistikfans, die uns Täglich in der Presse mit ihren Visionen eines Renterstaates nerven :)

    Das es von heute auf Morgen dann das Supermittel geben wird halte ich aber auch für eher Unwahrscheinlich. Ich tippe eher darauf das man sich diesem in kleinen Schritten nähern wird und wir es zunächst mit einigen Light-Versionen zu tun bekommen.

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