cine:plom
cine:tv:plom
kommentar:plom
reste:plom
Eines von mehreren
plomlompom-Projekten
Datenschutz-Erklärung
Impressum

futur:plom

Enjoying das Zukunft
Über diese Seite

Futuristische und utopische Notizen von Christian Heller a.k.a. plomlompom.

Orientierung

Themen-Einstiege

Berichte, Lektüren

Abonnement

Letzte Kommentare

24c3 #22: geschlechtspolitisches Sich-um-Kopf-und-Kragen-Reden (2)
     Günter Komoll, egal

Antisozialdemokratische Utopie Grundeinkommen (7)
     Martin Werner, Philipp, Klaus Gieg, ...

Afrikas größter Exportschlager: die Supercomputerisierung der Erde (3)
     Christian, Christian, sunny

Blogroll

Englisch

Deutsch

Lizenz

Für alle von mir verfassten Texte auf dieser Seite gilt folgende Lizenz:

Creative Commons License

Partnerschaften

Werbung

   

Mit Drogen die Conditio humana korrigieren

Der Transhumanismus will den Menschen verbessern. Den Menschen als biologische Einheit, oder den Menschen als Produkt seines Willens? Schaurige Gedanken?

Der Futurist Michael Anissimov hat ganz optimistelnd in seinem Blog eine “Transhumanist Vision”, und die schließt Folgendes mit ein (Hervorhebungen von mir):

In the longer-term future, we need to think about reprogramming human motivations themselves. Imagine a drug or brain implant that, when administered, causes people to enjoy cooperation more and work harder to resolve conflict, without any negative side effects whatsoever. […] If politicians would realize that technology actually has the potential to improve human nature for the better, they would invest billions in psychopharmacology and cybernetics. […] I want to see it happen sooner rather than later.

Da klingeln natürlich die Alarmglocken. Scary. Auch gerade den Kommentatoren des Eintrags, unter denen sich sehr wohl fellow Transhumanisten finden, die eine Verbesserung des menschlichen biologischen Zustands mit Technologie befürworten, schlägt diese Anregung etwas auf die Magengegend. Warum eigentlich?

Zwei mögliche Gründe fallen mir dafür thesenhaft ein. Erstens:

Die Attraktivität des Transhumanismus rührt für viele aus dem verständlichen Wunsch her, ihr Ich mit größerem Potential auszustatten, körperlich wie geistig. Ich will tausend Jahre alt werden, die Kraft von fünf Bären haben und das Gedächtnis und die Rechenkapazitäten der Serverfarm von Google. Ich bedeutet hier: mein Charakter, meine Wünsche, mein Umgang mit meiner Welt. Dieses Ich verharrt als Zentrum, als Kern in einer Maschine, deren Hardware runderneuert und erweitert wird. Soll dieses Ich dagegen selbst erst einmal eine Runderneuerung durchgehen für die transhumanistische Veränderung, wäre es am Ende nicht mehr mein Ich, sondern ein anderes Ich. Der transhumanistische Übermensch wäre ein Anderer, genauso wie der posthumanistische Roboter ein Anderer wäre. Duldbar für mich wäre nur eine graduelle Veränderung meines Ich aus mir selbst heraus in Reaktion auf die Erweiterung meiner Welt, die mir meine neuen Kapazitäten brächten.[*]

Zweitens:

Die Erlangung größerer Freiheit dürfte für viele Transhumanisten ein wichtiges moralisches Ziel sein, mit dem sie auch ihren Transhumanismus rechtfertigen. Eine von Außen verordnete Droge, um ‘sozialer’ zu handeln, wäre das Gegenteil. Anissimov meint, derlei Werkzeuge seien von ihm selbstverständlich nur für den freiwilligen Einsatz gedacht. Aber warum sollte jemand, der wenig Wert im sozialen Handeln sieht, eine Droge nehmen, die ihm einen Wert des sozialen Handelns vermittelt? Ist es nicht paradox, freiwillig, d.h. aus eigenen Motivationen heraus, eine Droge zu nehmen, die die eigenen Motivationen umkehrt? Anissimovs Idee lässt sich auf den ersten Blick also nicht als in Freiwilligkeit umsetzbar denken.

Sollten die allgemeinen Hoffnungen der Transhumanisten je realisiert werden, würde das ohne Frage auch eine grundlegende Umwälzung menschlicher Psychologie und menschlicher Motivationen mit sich bringen. Was uns heute erstrebenswert erscheint, mag dann unattraktiv werden. Was uns heute unattraktiv erscheint, mag dann erstrebenswert werden. Es ist gar nicht so einfach, aus unserer jetzigen Conditio humana auf die egoistischen oder sozialen Motivationen in einer transhumanistischen Zukunft zu schließen. Aber welchen Motivationen, wenn nicht unseren eigenen heute, sollen wir denn folgen, wenn wir aus dem Heute heraus die Gestaltung unserer Zukunft in Angriff nehmen?

[*] Das läuft ein wenig wie das Ich-Kontinuitätsproblem beim Mind Uploading: Eine digitale Kopie meines Gehirns anzufertigen und mein analoges Gehirn dann einfach abzuschalten, würde das Ich in meinem analogen Gehirn nicht etwa unsterblich machen, sondern bloß zugunsten eines neu entstandenen, mir zwar nachempfundenen, aber nicht mit mir in einer Kontinuität stehenden, Ich töten; nur ein graduelles Umleiten meiner Ich-Prozesse von meinen Neuronen in Maschinenteile könnte mir eine Ich-Kontinuität bewahren.

Thursday November 1, 2007

Werbung

Kommentarfunktion für diesen Artikel geschlossen.